Kanontafeln 2 mitte

Kanontafeln 1 links johannes   Kanontafeln 3 rechts

Kanontafeln aus der Siechenkapelle in Beckum

Geschenk v. Frau Deppe, Beckum

In der Mitte der Altarmensa steht bei der lateinischen Messe vor dem Tabernakel eine große Tafel mit den Texten beim Gloria und Credo und die Wandlungsworte aus dem Hochgebet. Auf zwei weiteren Tafeln rechts die Opferungs- und Kommuniongebete und links das Schlußevangelium nach Johannes.

Am 4. Dezember 1963 konnte die Liturgiekonstitution als erstes Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils veröffentlicht werden. Gegenstand der damit beschlossenen „allgemeinen Erneuerung der Liturgie“ (SC 21) ist der gesamte Gottesdienst der Kirche: die Eucharistiefeier, die übrigen Sakramente und die Sakramentalien, das Tagzeitengebet, der Kalender, die Feste und Festzeiten, die Kirchenmusik und die sakrale Kunst.

Die Kanontafeln wurden ab 1963 aus den Kirchen und Kapellen entfernt.

Von Frau Deppe, Beckum, erhielt Werner Fischer für sein Museum in Ahlen die drei Kanontafeln.


Außerhalb der damaligen Stadtmauern von Beckum befand sich im 16. Jh. ein Leprosenhaus.
Heute ist nur noch die dazugehörige Quirinuskapelle erhalten. Weihejahr 1523. Bauform: einschiffiger Ziegelbau mit Bruchsteinsockel, Dachreiter mit Glocke, mehrere Veränderungen und Umbauten bis 1973. Zur Wasserversorgung der Leprakranken diente der nahe gelegene Siechenbach. Darum wird im Volksmund die Kapelle in Beckum auch heute noch Siechenhauskapelle genannt.

Es gibt verschiedene Heilige gleichen Namens.

Die Fistula, ein liturgisches Gerät meist aus Silber in Form eines Röhrchens, das in der kath. Kirche während des Kommunizierens benutzt wurde, indem der Priester oder auch der Gläubige nach der Wandlung aus dem Kelch den gewandelten Wein saugte.
Nach der Liturgiereform 1970 findet die Fistula keine Verwendung mehr.

Das Interreligiöse Museum im Goldschmiedehaus Ahlen hält Ausschau nach einer Fistula.

 Deutsch, Mitte 16. Jh., Silber, vergoldet, getrieben, ziseliert, graviert und punziert.

Maße: Höhe 185 mm, Durchmesser der Cuppa 89 mm, Durchmesser des Fußes 117 mm.
Marken: Beschauzeichen bisher nicht identifizierbar Meistermarke „CB“
Kelch mit Sechspaßfuß und daraus herausgetriebener Sechspaßrosette.
Die Oberfläche des Fußes erhebt sich schnell zum sechsseitigen Schaft, an dessen Fuß unter einer sechseckigen Platte ein Fries aus Blattwerk hängt. Der einfache, polygonale Schaft wird in der Mitte von einem großen Nodus mit rautenförmigen Rotuli in zwei Hälften geteilt. In die glatten Rotuli sind auf der Schauseite die gotischen Buchstaben
„MARIAH“ eingraviert.
Die große glockenförmige Cuppa läuft konisch zu und ruht auf einem kleinen Korb, der das Blattornament des hängenden Frieses am Fuß in variierender Form wieder aufgreift.

Gegenüber der in der Gotik üblichen trichterförmigen Gestaltung der Cuppa ist die umgekehrte glockenähnliche Form eher dem Zeitalter des Barocks zuzuordnen.

Innerhalb der Gruppe der Sakralgeräte (vasa sacra) besitzt der Kelch (lat. calix) eine besondere herausragende Rolle. Zusammen mit der Patene steht er in der Ordnung der liturgischen Geräte an erster Stelle, weil er das ursprünglichste und dem Vollzug der sakramentalen Mysterien unmittelbar dienende Gerät ist.

Literatur: Sakrale Kunst von Werner Fischer Seite 18/19.

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Kelch, Griechenland, um 1900, Messing, Kupfer, vergoldet, gegossen, getrieben, ziseliert, punziert, bemalt.

Siehe: Orthodoxe Kirche.

Maße: Höhe 307 mm, Durchmesser der Cuppa 108 mm, Durchmesser des Fußes 190 mm, Marken: keine.

Kleine Cuppa, Griechenland, um 1900, Messing, vergoldet, getrieben, ziseliert, punziert, bemalt.

Maße: Höhe 153 mm, Durchmesser 152 mm, Marken: Meistermake "ARO" (verschliffen)

Der Kelch wird bestimmend geprägt durch den großen runden Fuß. Die Wölbung des Fußes erhebt sich über einem glatten Stehrand, der in abgewandelter Weise die Form des Achtpasses mit ausgezogenen Ecken aufnimmt. Zwischen Stehrand und Wölbung legt sich ein breiter Schnurfries. In die Wölbung des Fußes sind vier ovale Medaillons vertieft; in sie hineingesetzt sind die gegossenen Darstellungen der vier Evangelisten mit dem Attribut des Buches und ihren Symbolen. Der Hintergrund ist mit Strahlen geschrotet. Zwischen den Medaillons schmücken ziselierte Rankengehänge auf punziertem Grund die Wölbung des Fußes.

Der Übergang vom Fuß zum Balusterschaft mit doppeltem Nodus ist unvermittelt. Den Hauptnodus zieren vier Maskarons, die stark abgeschliffen sind.

Die Cuppa ruht in einem großen Korb, der die Ornamentik des Fußes wieder aufnimmt. Die vier Medaillons sind bemalt und zeigen in orthodox kanonisierter Stilistik Johannes des Täufer, Maria mit Maphorion, Jesus als Pantokrator mit Weltkugel und Segensgestus sowie Speer und Schwammstock diagonal vor dem Kreuz. Den Abschluß des Korbes bildet ein eingefaßter, gewellter Perlstab. Der Lippenansatz ist stark geschweift.

Bildprogramm und Gestaltung weisen diesen Kelch deutlich als Zeugnis orthodoxer Frömmigkeit aus. Die ausgewählten Motive stehen in einem engen Bezug zum Heilsgeschehen. Die Darstellung der vier Evangelisten sowie ihre Symbole zeugen von der stark auf Christus hin orientierten Glaubensaussage der Kelchgestaltung. Die Symbole der Evangelisten sind in erster Linie Sinnbilder der Heilstat Jesu Christi (geflügelter Mensch = Menschwerdung,
geflügelter Stier = Opfertod
geflügelter Löwe = Auferstehung
Adler = Himmelfahrt).

Die weitausladende große Cuppa des kleinen Kelches ist auswechselbar mit Fuß und Ständer des Kelches aus der gleichen Zeit. Gegenüber der kleinen Cuppa mit stark geschweiftem Rand ist die Cuppa des Speisekelches mit glattem Rand geformt und konisch zulaufend.

Literatur, Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 34

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kelch2

 

17. Jahrhundert, Messing, vergoldet, getrieben, gegossen, ziseliert, tremoliert

Maße: Höhe 206 mm, Durchmesser der Kuppe 80 mm, Durchmesser des Fußes 127 mm

Marken: Eingraviertes "N" unter dem Fuß

Schlichter Kelch mit glockenförmiger Kuppa ohne Korb.

Die glatte, ornamentlose Ausformung der Kuppa bildet einen Kontrast zum typisch barocken Nodus in Form einer Balustervase mit drei Spiegelkartuschen, die von Akanthusranken umrahmt sind.

Die barocke Formgebung der Kuppa und Nodus steht in einem Spannungsverhältnis zum gotischen Stil des Sechspaßfußes. Der Sechspaßfuß mit überkragendem Rand und herausgetriebener Sechspaßrosette hebt sich zum sechseckigen Schaftsockel auf. Der Wölbungsrand ist tremoliert. Zwischen dem Fuß- und Kranzgesims des Sockels sind die Buchstaben "MARIAH" eingraviert.

Die Einbindung Marias in den Zusammenhang des Abendmahlgeschehens verdeutlicht die Auffassung von der Eucharistiefeier als liturgische Handlung, die das gesamte Heilswerk Jesu Chrisi und seine Person in verdichteter Weise repräsentiert.

Literatur: Sakrale Kunst von Werner Fischer Seite 20/21.

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kelch3

Ahlen gedenkt der Blindenheilung durch St. Liudger
Dokumente der Erinnerungskultur
23. Okt. - 24. Nov. 2005
Im Interreligiösen Museum im Goldschmiedehaus Ahlen

Der originale Ludgerus-Kelch, befindet sich in der
Abteikirche der Schatzkammer in Essen Werden,

Ein Replik des Ludgeruskelches befindet sich im seit 2005 im Interreligiösen Museum im Goldschmiedehaus Ahlen

Zur Feier der Eucharistie nimmt der Kelch, der Trinkbecher, einen besonderen Rang ein. Wegen seines erhabenen Dienstes bedarf der Kelch nach uralter Bestimmung der Konsekration durch den Bischof.

Der Kelch ist von hohem historischem Rang und gilt als eines der ältesten eucharistischen Trinkgefäße des Abendlandes, der älteste Kelch Deutschlands von zeitlos-edler Form. Er stammt aus dem 8. Jh. und diente dem heiligen Ludgerus, Täufling des heiligen Bonifatius, als Reise-Missionskelch. Es ist anzunehmen, dass der heilige Ludgerus bei seiner Visitationsreise in Ahlen mit diesem Kelch das heilige Mahl feierte.

Der Kelch hat auf der Cuppa die Umschrift "Agitur haec summus pocla triumphus".
(In diesem Becher vollzieht sich der höchste Triumph) und am Rande des Fußes:
"HIC CALIX SANGVINIS DNI NRI IHV XPI" in der Übersetzung:
"Dies ist der Kelch des Blutes unseres Herrn Jesus Christus".

Am Sonntag, dem 10. April 2005 feierte Weihbischof Friedrich Ostermann in
St. Bartholomäus in Ahlen einen Gottesdienst aus Anlaß des historischen Jahres.

Auf dem Zelebrationsaltar stand auch ein Nachguß des sich in der Abteikirche zu Essen Werden befindlichen Ludgeruskelches, der sich nun im Museum im Ahlener Goldschmiedehaus befindet.

Schon in romanischer Zeit wurden die Reisekelche auch als Funeralkelche verwand, die den Bischöfen und Priestern mit ins Grab gegeben wurden.

So hat Ahlen eine fassbare und damit sichtbare Erinnerung an den heiligen Ludgerus und seine Blindenheilung in Ahlen.

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2013-04-24 11.57.33

Kelch, Breslau, frühes 20. Jh., Silber, vergoldet, gedrückt, ziseliert.

Maße: Höhe 226 mm, Durchmesser der Cuppa 107 mm, Durchmesser des Fußes 136 mm, Marken: Meister- und Firmenzeichen "Hoeptner u. Comp Breslau I"

Rosenberg Band 3, 2 - Silberstempelung für das deutsche Reich nach dem Gesetz vom 1.1.1888.

Kelch mit gewölbtem runden Fuß, der sich aus drei leicht konvex gewölbten Stufen aufbaut.

Während die unterste Zone ornamentlos gehalten wurde, ist aus dem mittleren Ring das dreimalige Sanctus herausziseliert worden; die Schriftzüge sind durch geschwungene Weinranken verbunden. Die obere Zone aus abstrakten Formen leitet über zum runden Schaft, der sich zum hochsitzenden Nodus stark verjüngt.

Der Nodus ist in der Form eines kleinen flachen Zylinders gestaltet. Seine Seiten zieren das dreimalige Christusmonogramm (Chi-Rho) in einem Quadrat, verbunden jeweils durch eine parallele Linienstruktur sowie durch eine Perlschnur.

Vom Nodus erweitert sich ein kurzes Schaftstück zur Cuppa des Kelches. Diese ist ornamentlos in kugeliger Form gestaltet.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 32

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2013-04-24 11.56.48

Kelch, Frankreich, 2. Hälfte 19. Jh., Silber, vergoldet, gegossen, gedrückt, graviert.

Maße: Höhe 250 mm, Durchmesser der Cuppa 108 mm, Durchmesser des Fußes 158 mm. Marken: Meistermarke "BN", Rosenberg Band 3 5919/Rosenberg 3 5919 - Ausfuhrstempel der franz. Departements seit 1879 (Bürokennzeichen unkenntlich), Rosenberg Band 3 7894 - Einfuhrstempel Österreich 1902-1921/2

Die Cuppa des Kelches läuft in glatten Wandungen konisch zu. Der polierte Rand der Cuppa ist von der mattierten Oberflächengestaltung des Kelches abgehoben. Unterfangen wird die Cuppa von einem Korb aus Filigranarbeit und sechs Medaillons mit gravierten Heiligendarstellungen: S. Bartholomäus, S. Jacobus, Majr., S. Petrus, S. Simons, S. Philippus und S. Mathias.

In den Zwickeln der lanzettförmigen Medaillons fächern sich Weinblätter und Weintrauben.

Der hohe, sechseckige Schaft, der am oberen und unteren Ende mit Fuß- und Kranzgesims ausgestaltet worden ist, fügt sich als ein architektonisches Aufbauelement in die Figur des Kelches ein. Der abgeflachte runde Nodus ist mit Vierpassrotuli verziert. Auf die sechs Schauseiten der Rotuli sind die Buchstaben JESUS und ein Kreuz auf punziertem Grund aufgebracht. Ornamentale Ziselierungen und Filigranverzierungen fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein.

Die Fußgestaltung nimmt das gotisierende Stilelement des Sechspassfußes mit ausgezogenen Ecken auf. Die Zarge des Fußes ist mehrfach gestuft. An der Vorderseite ist ein kleines Kreuz aus blauem Email aufgeschraubt. Die zum Schaft hin ansteigende Oberfläche des Fußes ist mit aufgeschraubten Filigranverzierungen und lanzettförmigen Medaillons gestaltet. Vergleichbar mit der Korbverzierung, zeigen die gravierten Medaillons Darstellungen von Heiligen: S. Paulus, S. Andreas, S. Thomas, S. Thaddäus, S. Barnabas und S. Jacobus Minr. Zwischen den Medaillons fächern sich Fruchtgehänge aus Weintrauben und Weintraubenblättern.

Die deutlichen gotisierenden Stilelemente sowie die solide Verarbeitung des Materials qualifizieren diesen Kelch als eine Goldschmiedarbeit aus der zeit der Neugotik, die den Geist der vergangenen Epoche der Gotik wiederbeleben wollte. In der Auswahl des theologischen Bildprogramms zeigt sich jedoch die innere Entfremdung von der Spiritualität der Gotik; die Gestaltung des Kelches wird zum rein formalen Zitat.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 30

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2013-04-24 11.58.30

Kelch, Prag oder Wien, 1864, Silber, vergoldet, getrieben, ziseliert, punziert, graviert.

Maße: Höhe 243 mm, Durchmesser der Cuppa 120 mm. Durchmesser des Fußes 182 mm. Marken: Beschauzeichen Prag (1814-1866) Rosenber Band 3, 9324) oder Beschauzeichen Wien (1810-1866 Rosenberg Band 3. 7861), Meistermarke verschliffen.

Der große, wuchtige Kelch baut sich auf einem massiv wirkenden Sechspassfuß auf. Die breite Zarge des Fußes ist mit ziselierten Quadraten verziert, aus denen wiederum liegende Kreuze herausgetrieben worden sind.

Die Oberfläche des Fußes schmücken sechs Maßwerkmedaillons in Form von Vierpässen auf geriffeltem Grund. In diese eingefügt sind abwechselnd das Motiv des Kreuzes sowie das Motiv einer Vierpassrosette; in einem Feld steht die Jahreszahl 1864.

Umrandet wird der Sechspassfuß von sechs Schriftrollen, auf denen eine Inschrift in lateinischer Sprache eingraviert ist: "calicem salutaris acccipiam et nomen domini invocabo". (Ich will den Kelch des Heiles empfangen und den Namen des Herrn anrufen.)

In den Zwickeln der Vierpässe und auf den Profilleisten, die die Fußoberfläche unterteilen, verlebendigen Blätter und Blattranken das Erscheinungsbild des Kelches. Den sechseckigen Schaftsockel und den Schaft prägen architektonische Naturelemente: den breiten Sockel mit Kranzgesims verschönern sechs vorgesetzte Giebel mit bekrönenden Kreuzblumen, darunter jeweils in Profilansichten die Darstellung von Männerköpfen.

Oberhalb und unterhalb des weitausladenden Nodus mit Maßwerkverzierungen auf punziertem Grund und blütenförmigen Rotuli gestalten eingetiefte Spitzbogenfenster den Schaft als sechseckigen Turm. Er hebt die große, trichterförmige Cuppa empor. Diese in der Gestaltung glatte Cuppa ruht in einem kleinen, flachen Korb, der - zweigeteilt im unteren Bereich rankendes Blattwerk und im oberen Bereich kleine schematisierte Blüten auf punziertem Grund zeigt.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 26

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2013-04-24 11.55.55

Kelch, deutsch, um 1730, Silber, vergoldet, versilbert (Cuppa) Kupfer

Vergoldet, versilbert, getrieben, gegossen, ziseliert, graviert, punziert.
Maße: Höhe 220 mm, Duschmesser der Cuppa 86 mm, Durchmesser des Fußes 140 mm, Marken: keine

Barocker Kelch auf einem Sechspaßfuß, der über eine doppelte, durch einen kräftigen Wulst unterbrochene Abtreppung hochsteigt.

Auf die in Felder unterteilte Oberfläche des Fußes sind Verzierungen in Form von Blättern und Blüten aufgeschraubt. Der ansteigende kurze Schaft wird von einer überkragenden Rundplatte mit Wulst abgeschlossen.

Ein sechskantiger Balusternodus trägt die Cuppa in Form einer Glocke mit geschweiftem Lippenansatz. Über die Hälfte der Cuppa wird von einem Korb aus Bandelwerk in Ajourarbeit bedeckt.

Formgebung und Linienführung von Fuß, Nodus und Cuppa sind deutlich vom ästhetischen Empfinden des Barocks bestimmt. Die bewegte Ausgestaltung mit dekorativem Beiwerk ist hier jedoch reduziert. Die Vereinfachung und der klare Aufbau sowie das flache Oberflächenornament des Bandelwerkes sind typischer Ausdruck der späten Phase des Barocks.

Die plastischen Blattaufsätze am Fuß gehören wahrscheinlich nicht zur ursprünglichen Gestalt des Kelches.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 22

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2013-04-24 11.53.37

Kelch, Wien, 1830-1839, Wiener Rosensilber,
teilweise vergoldet, gegossen, getrieben, gedrückt,
ziseliert, ziseliert,

Maße: Höhe 194 mm, Durchmesser der Cuppa 87 mm, Durchmesser des Fußes 133 mm. Marken: Rosenberg Band 3, 7861 - Beschauzeichen Wien 1830-1839 wahrscheinlich 1837, Meisterzeichen "AW" - Alois Waynand (1824-1850)

Die glockenförmige Cuppa des Kelches mit geschwungenem Lippenrand ruht in einem schlichten, glatten Korb, der die Cuppa bis zur Hälfte unterfängt. Durch eine zurückhaltende, Innen- und Außenvergoldung hebt sich die Cuppa nur sehr schwach von dem silbernen Korb ab. Um den oberen Rand des Korbes legt sich ein wulstartiger Ornamentenfries aus ziselierten Blatt- und Rosenmotiven. Diese Verzierung verleiht dem Kelch seinen Charakter und seine Ausdrucksstärke. Sie wiederholt sich am Nodus, der langsam aus dem gedrungenen Schaft wächst, und auf der Oberfläche des runden Fußes, der vom Rand her gestuft ist und flach ansteigt. Zwischen Fuß und Schaft betont ein Schaftring den gegliederten, aber fließenden Aufbau des Kelches.

Das Rosenmotiv des Kelches ist ein typischer Ausdruck der Biedermeierzeit. Obwohl es der Goldschmiedekunst in der Biedermeierzeit an einem dem Zeitgeist entsprechenden Stilempfinden für sakrale Kunst mangelte und das verwendete Material nicht besonders wertvoll war (Beginn der Industrialisierung), erreichte das sog. "Wiener Rosensilber" eine höchste Blüte und eine Präzision, die besonders beim Tafelgeschirr, was die technische Verarbeitung betraf, den besten Renaissancearbeiten gleichkommt.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 24

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Auszug aus "Sakrale Kunst" von Werner Fischer

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Kelchlöffel

Zu einem Silber vergoldeten Primiz-Kelch zählte vor der Liturgiereform eine Patene (Hostienteller) und ein Kelchlöffelchen. Stilelemente des Kelches konnten auch das Löffelchen zieren das der Priester seit dem 12. Jh. während der Hl. Messe nutzte um dem Wein vor der Konsekrierung ein Löffelchen Wasser zuzugeben.

Die Patene, ein Eucharistieteller, ein leicht aufgetiefter Hostienteller gehört zu einem Messkelch und damit zur Feier einer Heiligen Messe.

Patenen sind aus Metall oftmals aus Silber oder auch vergoldet. Es können sich motive vom Kelch wiederfinden.
Die Patene kann auch bei der Mundkommunion Verwendung finden.

kelchloeffel

Hängekreuz aus Gips mit farbigem Gipskorpus, 67,5 x 34 cm, vor 1900

Hauskreuz Treppe 1

Das plastische, schwarz bemalte Kreuz versinnbildlicht durch aufgetragene Blätter und Ranken einen Lebensbaum.
Der Christuskorpus ist mit drei Nägeln typisiert. Die beiden Füße stehen auf einem Suppedaneum. Auf dem Querbalken des Kreuzes liegt das INRI-Schild.

Kreuz und Korpus weisen Beschädigungen auf. Eine angebrachte Metallöse dient als Aufhängung. Das Kreuz, etwa um 1900, wurde Werner Fischer anonym geschenkt.

Es hängt im Treppenaufgang zum Interreligiösen Museum.

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Haus-Stand-Kreuz auf Sockel, Totalhöhe ca. 52 cm, Breite 31,5 cm

Hauskreuz Treppe 2

Holz, Eiche

Auf einem altarähnliche Aufbau mit mehreren Abstufungen ist auf dem Altartisch ein Holzkreuz eingelassen, das an allen vier Kreuzenden geschnitzte Blatt- und Schnörkelornamente aufweist.

Auf dieses Kreuz ist ein weiteres kleineres Holzkreuz mit Facetten aufgelegt, auf dem ein realistischer geschnitzter Christuskorpus mit augebreiteten Armen und Lendentuch befestigt ist. Am oberen Kreuzbalken ist eine INRI Tafel befestigt.

Das Kreuz ist in einem dem Alter entsprechenden Zustand. Im oberen Ornament ist eine Holzverbindung ausgebrochen und ebenso Finger an den Händen.

Das Kreuz gehörte dem Pfarrer Hermann Holle geb. am 6.9.1879 in Recklinghausen. Priesterweihe 1904 im Hohen Dom zu Münster, Pastor in Ahlen-Dolberg von 9. 2.1913

bis 1957, gestorben in Dolberg 1969.

Die Haushälterin, Frau Adiek, schenkte das Kreuz Werner Fischer 1991 lt. angebr. Widmung.

Unter dem Altarsockel befindet sich eine Fotokopie mit Daten und Bild des Pastors.

Späterer Wandsockel, Nußbaum? Nicht original zum Kreuz gehörend.

Das Kreuz befindet sich im Treppenaufgang zum Interreligiösen Museum

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Zum Gedächtnis

des Jubelpriesters Hermann Holle

Pfarrer i.R.

holle

 

er wurde am 6. September 1879 in Recklinghausen geboren und empfing 1904 im Hohen Dom zu Münster die heilige Priesterweihe. Er wirkte als Kaplan in Gescher und Roxel und von 1914-1931 in Horst. 1931 wurde er zum Pfarrer in Dolberg ernannt und hat dort bis 1997 mit großem Eifer gewirkt. Auch in den Jahren des Ruhestandes hat er, soweit seine Gesundheit es Ihm erlaubt, mitgeholfen. Mit grosser Geduld und Energie hat er viele Jahre sein altes Beinleiden und seine Krankheit ertragen und nie den frohen Mut verloren. Im Alter von 90 Jahren gab er sein Leben in die Hände des Schöpfers zurück. Gott gebe seinem treuen priesterlichen Diener den verdienten Himmelslohn.

Gestorben 1969.

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Kreuz Hängekreuz Holz 79 x 47,5 cm mit farbigem Gipskorpus (Bakenecker)

Hauskreuz Treppe 3

Beim sogenannten lateinischen Kreuz sind die oberen drei Balken gleich lang und der untere vierte Balken ist länger. An allen vier Kreuzenden befinden sich Rosetten mit durchbohrten Löchern. Alle vier Rosetten laufen in jeweils drei Pfeile aus. Im Kreuzzentrum, im Schnittpunkt der Balken, befindet sich eine weitere geschnitzte Rosette. In den vier Zwickeln sind weitere vier Schnitzereien angebracht.

Der realistische farbige Christuskorpus mit Dornenkrone und barock geformtem Lendentuch ist aus Gips. Christus steht mit beiden durchnagelten Füßen, (Viernageltypus) auf dem Suppedaneum: lat. = Fußgestell; Stütze unter den Füßen des gekreuzigten Christus. Gehörte nachweislich nicht in den historisch-funktionellen Zusammenhang der Kreuzigung, sondern symbolisiert den Herrschaftsgedanken Jesu Christi (Fußschemel des Herrschers). Buch Sakrale Kunst, Seite 170. Weiter ist eine aus Gips geformte Schriftrolle auf dem oberen Kreuzbalken befestigt. Sie trägt die Buchstaben INRI und zwei gekreuzte Knochen, darauf ein Totenkopf.

Dieses Symbol wird mit dem ersten Menschen Adam in Verbindung gebracht stellvertretend für die Heilsgeschichte des Menschen im alten Bund.
Der Sündenfall Adams und die Vertreibung aus dem Paradies kennzeichnen seine Situation als Dasein zum Tode. Die Errettung des Menschen von der Schuld Adams durch den heilsstiftenden Tod Jesu am Kreuze lässt Jesus Christus zum "neuen Adam" werden. Der Totenschädel am Kreuz, oftmals am Fuße des Kreuzes, wird dem Betrachter diesen Aspekt des Glaubens sinnlich zum Ausdruck gebracht. Buch Sakrale Kunst Seite 162.

Die Rückseite des Kreuzes ist mit Bleistift beschriftet: 140/80 Ege/AK 1875. Weiter ist ein Silberschild angebracht mit der Gravur: Geschenk von Frau Hedi Bakenecker an Werner Fischer August 1992.

Das Kreuz befindet sich im Treppenaufgang zum Interreligiösen Museum, Oststr. 69.

Frau Bakenecker ist 2012 verstorben

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Stand-Kreuz auf Sockel ca. um 1900, Totalhöhe ca. 67,5 cm von Frau Wilkens

Hauskreuz Treppe 4

Holz, Eiche

Auf einem rechteckigen altarähnlichen Aufbau mit 3 von unten verschraubten Elementen befindet sich auf dem Sockel, der Predella, eine geschnitzte Doppelblüte mit je 8 Blättern als Rosette
Auf dem Altartisch steht ein rechteckiger geschnitzter Aufbau, in dem der senkrechte Kreuzbalken, der mit einer geschnitzten Rosette befestigt ist. An diesem Kreuzbalken ist mit einer rückwärtigen Metallschraube ein geschnitzter Christuskörper befestigt, der zwei Holz-Wurmlöcher aufweist. Christus mit weit auseinander gestreckten Armen, Dornenkrone und großem Lendentuch als drei Nagelkorpus. Das INRI Schild ist nicht mehr vorhanden aber die Befestigungsstelle ist sichtbar.

Der Querbalken ist von der Rückseitig in den Längsbalken eingearbeitet und befestigt.

Rückseitig auf dem Blütensockel ist ein Metallschild befestigt mit der Gravur: Geschenk von Frau Wilkens geb. Paul, November 1993. Kreuz der Großeltern um 1920

Frau Wilkens wohnte auf der Hans Sachsstr. Die Familie Paul wohnte auf der Hellstr. Das Haus hat Hans Sommer erworben. Ein Verwandter wohnte auf dem Grundstück Hellstr. 18 (Schuhmacher von Beruf ?)

Zu diesem Kreuz gehört eine original geschnitzte Wandkonsole. Die Wandkonsole besteht aus einer quadratischen Holzplatte 19 x 19 x 2 cm. Als Trägerelement dient ein aus Holz nachempfundener, geschnitzter Wasserspeier, wie er an Sakralbauten angebracht ist.

Wilfried Koch schreibt in seinem Buch BAUSTILKUNDE Seite 492 "Wasserspeier vom Dach als Regenablaufrinne", die das Mauerwerk vor Nässe schützt. Am antiken Tempel als Löwenkopf, in der Gotik als skurrile Figuren (Tiere, Menschen, Fabelwesen, deren Symbolwerte heute nicht mehr zu deuten sind. Chimäre= griechisches Fabeltier. Die Chimäre hat in der christlichen Welt eine dämonische Bedeutung als Figur, die Schaden abwendet.

Das Kreuz befindet sich im Treppenaufgang zum Interreligiösen Museum

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Wandkreuz im Elternschlafzimmer der Eheleute Kaspar und Jovita Fischer

In Westfalen wie auch in anderen Regionen gehörte bis weit ins 20. Jh. ins Eheschlafzimmer eines katholischen Hauses ein Kreuz,  das meist am Kopfende mittig über den Ehebetten einen prominenten Platz einnahm.
Hängekreuz aus Eiche, 100 cm x 56 cm, wurde 1924 in Herbern im Stil des Schlafzimmermobilars als Teil der Austeuer vom Hof Adolf Suermann in Horst bei Werne a.d. Lippe für meine Eltern angefertigt. 

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Wandkreuz aus Silber

wandkreuz silber

wandkreuz silber beschreibung

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Altarkruzifix

2013-04-18 08.41.36

18. Jahrhundert, Messing, versilbert, vergoldet, gegossen, getrieben, ziseliert, punziert, Holzkern, Maße: Höhe 625 mm, Kreuzhöhe 435 mm, Breite 314 mm, Stammumfang 25 x 10mm, Marken: keine

Altarkruzifix mit Korpus auf prunkvollem Sockel.

Der Dreiseitsockel steht auf drei Kugelfüßen und ist an den Seiten volutenförmig eingerollt. In den Seitenflächen sind Spiegelkartuschen mit Rocaillen und Blütenranken auf punziertem Grund ziseliert.

Das hohe Kreuz erhebt sich über einem kleinen, runden Fuß, der mit ziselierten Spiegelkartuschen und C-Bögen verziert und auf den Sockel aufgenietet ist. Die Kreuzbalken aus Messingbeschlag über einem Holzkern sind an den Enden in Paßform ausgezogen. Aufgesetzte Vierpaßverzierungen um ein Blumenmotiv verzieren die Kreuzenden und die Mitte, von der zusätzlich Strahlenbündel ausgehen.

Ein gegossener Korpus zeigt Christus mit weit ausgestreckten Armen an das Kreuz geheftet. Die Füße sind leicht in der Höhe versetzt, dadurch bedingt ist die Haltung Christi im überzogenen Kontrapost. Der Lendenschurz ist weit geschwungen und mit einem doppelten Strick gebunden. Der nach hinten zurückgeneigte Kopf zeigt das Ende des Todeskampfes an, denn die Augen sind gebrochen. Oberhalb des Gekreuzigten kennzeichnet ihn der Kreuztitulus in Form einer Rocaille mit den Buchstaben INRI.

Unterhalb des Korpus ist ein Engelskopf mit Flügelpaar und vorgehängtem Tuch in ein flaches Relief gegossen und auf den Kreuzstamm aufgesetzt.

Das Altarkreuz wurde erst durch das Missale Romanum 1570 ein verpflichtender Gegenstand der liturgischen Feier. Auf dem Altar stehend, deutete es dem Gläubigen die Handlung der Eucharistie als Vergegenwärtigung des Kreuzopfers Jesu Christi.

Auch noch nach den Bestimmungen der Liturgiereformen des 2. Vatikanischen Konzils soll auf dem Altar oder in seiner Nähe ein Kreuz für die ganze Gemeinde gut sichtbar sein. (AEM V, 270).

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 128

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Kreuz, kleines Stehkreuz, Oradea/Großwardein (Rumänien, bis 1919 ungarisch)

2013-04-18 08.49.04

um 1800 (Holzkreuz: Berg Athos?) Holz, geschnitzt, Silber, getrieben, gegossen, ziseliert, punziert, geschrotet. Maße: Gesamthöhe 175 mm, Durchmesser des Fußes 62 mm, Höhe des Kreuzes 80 mm, Breite 46 mm, Marken: Beschauzeichen Oradea/Großwardein (Divis Nr. 942)., Meistermarke Johannes Mézáros nobilis (1767-1851)

Holzkreuz mit feiner Schnitzarbeit und Durchbruchtechnik, eingefaßt von einem Silberrahmen mit Schaft und Fuß.

Der kleine, runde Fuß wölbt sich über eine Hohlkehle. Um den Wölbungsrand legt sich ein ziselierter Blattfries. Acht geschrotete Linien steigen zum Sockel des runden Schaftes auf, an dem ein kleiner Blattfries hängt.

An drei Enden der Kreuzbalken befinden sich Hohlkugeln, die von Schrauben gehalten werden.

Das innere Holzkreuz wird mit einem Rahmen in der Art eines Blattfrieses zusätzlich gehalten.

Das Holzkreuz mit gestutzten Querarmen zeigt auf den Schauseiten, in fünf Felder unterteilt, biblische Szenen aus der Heilsgeschichte in feiner Schnitzarbeit.

Auf einer Seite beherrscht eine Kreuzigungsdarstellung das Bildprogramm. Das Kreuz vor einer Mauerwand steht auf einem angedeuteten Hügel. Links und rechts wenden sich zwei männliche Personen mit Bart und Strahlennymbus zur Mitte. Oberhalb und unterhalb wiederholt sich die Darstellung einer im Buch lesenden männlichen Gestalt.

Auf der anderen Seite ist in das Zentrum des Bildprogrammes die Darstellung der Taufe Jesu im Jordan gestellt. Jesus steht, mit einem Lendenschurz bekleidet, vor einem Hintergrund aus angedeutetem Wasser. Zu seiner Linken assistiert ihm ein Engel mit einem Tuch, weiter rechts von ihm steht Johannes der Täufer, der mit weit ausgestrecktem rechtem Arm seine Hand über das Haupt Jesu hält. Ein senkrecht sich nach unten zuspitzender Strahl fällt auf das Haupt Jesu herab.

Links und rechts der Taufszene wenden sich Engel der Mitte zu.

Bildkomposition und Typik der dargestellten Figuren weisen die Schnitzarbeit deutlich als ein Werk aus dem Raum der orthodoxen Christenheit aus.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 130

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standkreuz glassturz

standkreuz glassturz beschreibung

20160427 172811(0)

Standkreuz-Unterteil, Gewicht c. 302 gr.

Punziert auf der Unterseite mit: 800 J.C.OSTHUES, Halbmond und Krone

Der gegossene abgetreppte sechspassige, stufenförmige Standfuß ist mit gotischer Ornamentik graviert. Zwei gegenüberliegende Seiten sind ausladend, um die Standfestigkeit zu erhöhen. Der Fuß verjüngt sich zu abgedecktem Rund, in dessen Zentrum sich eine Öffnung befindet.

In dem sich verjüngendem Rund ist in einem abgegrenzten Feld eine Gravur in Schreibschrift angebracht:

Ihrem scheidenden Pfarrer dem Hochwürd. Herrn Wilh. Cruse die dankbaren Pfarrkinder Velmedes. 3. Aug. 1898

Diese katholische Pfarrkirche Kirche St. Andreas in Bestwig Velmede wurde 1848 erbaut.

Auf dem Standfuß ist ein Zwischenoberteil lose aufgesetzt. Es besteht aus zusammengelöteten Silber-Teilen. Eine wiederkehrende offene, durchbrochene Wein-Blatt-Ornamentik, die wiederum mit den gravierten Dekoren des Fußes korrespondiert, hat einen schlichten gestuften Balusterschaft, auf dem der Nodus befestigt ist.

Ein trompetenförmiges Reststück des abgesägten Kreuzfußes ist mit einem Gewindestab versehen, um die vorab genannten Teile zu verschrauben.

Alle Teile sind noch in einem guten Zustand.

Stehkreuz

Oradea/Großwardein (Rumänien, bis 1919 ungar.) um 1800, (Holzkreuz: Berg Athos?)
Holz, geschnitzt, Silber, getrieben, gegossen, ziseliert, punziert, geschrotet.
Maße: Gesamthöhe 175 mm
Marken: Beschauzeichen Oradea/Großwardein (Divis Nr. 942), Meistermarke: Johannes Mézáros nobilis (1767-1851)
Holzkreuz mit feiner Schnitzarbeit und Durchbruchtechnik, eingefaßt von einem Silberrahmen mit Schaft und Fuß.
Das Holzkreuz mit gestutzten Querarmen zeigt auf den Schauseiten, in fünf Felder unterteilt, biblische Szenen aus der Heilsgeschichte in feiner Schnitzarbeit.
Bildkompositionen und Typik der dargestellten Figuren weisen die Schnitzarbeit deutlich als ein Werk aus dem Raum der orthodoxen Christenheit aus.


Literatur: Sakrale Kunst v. Werner Fischer

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Kreuz, Bronze

Kreuz 2 vorne hinten

Gesamthöhe: ca. 80 mm
Breite: ca. 48 mm

Dieses Kreuz kann zur Zeit nicht zugeordnet werden bezüglich der Herkunft, Datierung und der Religionsgemeinschaft. Byzanz? Äthiopien? Rußland?
Das Kreuz hat vier Schenkel. Die Längsschenkel sind gleich. Am oberen Schenkel ist vertikal eine runde Platte angebracht, die aber nicht durchbohrt ist.
Es befinden sich in allen Schenkeln und im Zentrum runde Vertiefungen. Ein rundes Plättchen, das die Vertiefung ausgefüllt hat, ist noch vorhanden und liegt bei. Es ist anzunehmen, dass sich unter den durchsichtigen Abdeckungen Reliquien befanden. Die Rückseite zeigt Prägungsmerkmale auf. Das Kreuz hat eine natürliche Patina.

Kreuzanhänger, Griechenland (Berg Athos? siehe Wikipedia ) 17./18. Jh.

Kreuz 3 vorne hinten

Rosenholz, geschnitzt, Silber auf Filigranemail und Perlmutt.
Höhe 52 mm, Breite 32 mm, Umfang 9 x 13/14 mm

Kreuzanhänger aus Holz mit geschnitztem Bildprogramm und feiner Durchbrucharbeit, eingefaßt in einen Rahmen aus Filigranemail. Vorder- und Rückseite der Einfassung sind mit einer Innenzarge verdeckt geschlossen.
Die Schauseiten sind durch vier kleine und einen großen Rundbogen gegliedert und mit grünem Filigranemail verziert. Auf die Seitenflächen ist ebenfalls Filigranemail (türkis) aufgetragen. Die Kreuzenden zieren eingefaßte, halbierte Süßwasserperlen. Am oberen Ende dient eine Öse zur Aufhängung an einer Halskette.
Das eingeschlossene Holzkreuz zeigt hinter den Rundbogenfenstern der Einfassung fünf Miniaturbilder im flachem Holzrelief vor ausgehöhltem Hintergrund.
Auf der Vorderseite steht im Mittelpunkt eine Kreuzigungsdarstellung. Christus ist nach byzantinischer Ikonographie im Bogen vor dem Kreuz ausgespannt. Im Bildhintergrund ragt verzinntes Mauerwerk auf, das mit senkrechten, schmalen Durchbrüchen räumlich gestaltet ist.
Oberhalb und unterhalb des Bildes wiederholt sich die Seitenansicht eines Heiligen, der vor dem Hintergrund einer Mauer steht und in einem Buch liest.
An den Seiten des Mittelfeldes wenden sich links und rechts Heiligenfiguren mit verneigtem Haupt und verhüllten Händen dem Kreuz entgegen.
Die Rückseite des Kreuzes stellt die Muttergottes mit dem Kind in den Mittelpunkt. Maria steht als ganzfigurige Seitenansicht mit langem Gewand dem Betrachter gegenüber. Sie wendet sich ihrem Sohn zu, den sie auf ihrem Arm hält, so daß sich ihre Köpfe berühren (Typ: Eleusa,= Typus orthodoxer Ikonen). Der Faltenwurf der Gewänder ist stark ornamentalisiert. Um das zentrale Bild ordnen sich, vergleichbar mit der Gestaltung der Vorderseite, lesende bzw. sich in der Mitte in Verehrung zuwendende Heiligendarstellungen.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 132

Kruzifix, Neapel, 17./18. Jh., Silber, getrieben, ziseliert, punziert,

2013-04-18 08.55.26

Maße: Höhe 335 mm, Breite 220 mm, Marken: Beschauzeichen Neapel, 17./18. Jh., Rosenberg Band 3 7406a, Meistermarke verschliffen.

Wandkruzifix aus getriebener und ziselierter Silberreliefplatte.

Der untersetzt wirkende, ziselierte und auf der Rückseite hohle Korpus ist mit drei angedeuteten Nägeln gekreuzigt. Die Arme sind schräg nach oben straff ausgestreckt, die Knie angewinkelt, und der Kopf ist zur rechten Seite auf die Brust gesunken. Langes Bart- und Kopfhaar sowie ein Nimbus aus einem Ring, der durch den Hinterkopf gezogen wurde, kennzeichnen die Darstellung Christi.

Der nicht vollplastisch durchgeformte Korpus hebt sich nur reliefartig vor dem ornamentalisierten Kreuzhintergrund ab. Eine aufgeschraubte Inschrifttafel mit geschweiften Enden oberhalb des Gekreuzigten und ein aufgeschraubter Totenkopf mit gekreuzten Knochen (Adam) unterhalb des Korpus fügen sich in den Ornamentcharakter des Kreuzes ein.

Die Balken dieser lateinischen Kreuzform sind mit einem Fries aus Rauten auf punziertem Grund überzogen. Hinter dem Kopf Jesu ist aus dem Schnittpunkt der Balken eine Blumenrosette herausziseliert. Strahlenbündel und geviertelte Blumenrosetten ordnen sich um den Kreuzmittelpunkt herum an. Die Enden des Kreuzes sind mit Engelsköpfen mit Flügeln zwischen zwei Perlstäben kunstvoll ausgestaltet. Den Abschluß bilden jeweils Blumenmotive.

Ein auf der Rückseite angelöteter Haken dient am oberen Ende der Aufhängung.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 126

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Pektorale - Umhänge-Kreuz, Bronze

Kreuz 1 vorne hinten

Gesamthöhe: ca. 91 mm
Breite: ca. 47 mm

Datierung und in welcher Religionsgemeinschaft solche Kreuze getragen wurden, sollte noch durch Vergleichsstücke erfolgen.
Das Kreuz ist aufklappbar. Die Endöse (Schlaufe) ruht beweglich in einem Scharniergelenk. Am Kreuzfuß befindet sich ebenfalls ein Scharniergelenk. Durch Lösen des Stiftes (fehlt) kann das Kreuz geöffnet werden.
Die Vorderseite ist stark abgegriffen. Dennoch ist eine Gravur zu erkennen, die den Gekreuzigten zeigt mit einem bis fast zu den Füßen reichendes Gewand. Die Hände bleiben frei.
Am Balkenende, wo sonst der Titulus angebracht ist, sind die Buchstaben VOANHC oder VOMIVHC ? eingraviert.
Die Rückseite des Kreuzes zeigt in der Mitte eine kleine Öffnung und in jedem Kreuzbalken eine runde Vertiefung. In einer dieser Vertiefungen befindet sich noch eine runde Perlmuttscheibe. Im Innern des Kreuzes sind Hohlräume.
Das Kreuz ist stark oxidiert.
Geschenk v. Claus Pohl, Duisburg, Vorsitzender der ADK Rheinland, an Werner Fischer zum 70. Geburtstag im Jahre 2000.

Muscheln - Permutt

Muscheln sind Wassertiere. Sie ernähren sich hauptsächlich von Plankton. Es gibt sehr viele Muschelarten z.B. die zweischaligen Muscheln mit einer Außen- und Innenseite, die unterschiedklich sind.

In den beiden inneren Schalenseiten, ein Calziumcarbonat, können sich bei verschiedenen Muschelarten Natur- und Zucht-Perlen entwickeln.
Vielleicht hat diese Tatsache dazu geführt, die Substanz, das leicht schimmernde Material als Perlmutt zu bezeichnen.

Perlmutt ist leicht zu bearbeiten und wird häufig auch zu Kunstgegenständen verarbeitet.

Kreuz Handkreuz

kreuze4

Der senkrechte Balken hat eine Länge von ca. 17,5 cm und einen Querbalken von 9 cm. Um Beschädigungen auszuschließen, wurde das nicht sichtbare Grundkreuz nicht in die Untersuchung einbezogen.

Beide Kreuzbalken sind rundum mit Perlmuttplatten belegt, sodass die Balken sechseckig erscheinen. Die Kreuzbalkenenden werden mit sechseckigen Perlmuttplättchen abgeschlossen, die wiederum vier durchbohrte Elfenbeikugeln mit Abschlußplättchen aufnehmen, die teilweise beschädigt sind.

Längs- und Querbalken des Perlmuttkreuzes sind im Kreuzungspunkt nochmals mit einem ausgestochenen Kreuz verziert. In der oberen Hälfte befindet sich das nicht mehr lesbare INRI-Plättchen aus Perlmutt.

Ein gegossener Bronze-Korpus im drei Nagel Typus mit Suppedaneum befindet sich im Zentrum der Kreuzbalken. Ein dreieckförmiges ausgearbeitetes Permuttplättchen dient als Nimbus.

Der Korpus ist sehr fein naturalistisch ausgearbeitet. Reste einer Vergoldung befinden sich noch auf dem Suppedaneum.

Leider sind von den einstmals vier Strahlenblöcken nur noch zwei unterhalb der Querbalken erhalten.
Am unteren Längsbalken befindet sich eine in Permutt geschnittene Madonnenfigur.

Vier Bohrungen auf der Vorderseite mit leider abgenutzten unlesbaren Buchstaben und 14 Bohrungen auf der Rückseite markieren die noch lesbaren 14 Kreuzwegstationen.

Die Museumsleitung hofft, ein weiteres Kreuz zu finden, welches vielleicht eine Erklärung auf die Vorderseite gibt.

Das Kreuz wurde von Frau und Herrn Hubert Behrens anläßlich des 25-jährigen Bestehens des Museums im Goldschmiedehaus Ahlen am 8. Nov. 2009 Anni und Werner Fischer vermacht. Es ist im Interreligiösen Museum im Goldschmiedehaus zur Betrachtung ausgestellt.

Frau Behrens vermerkte, dass dieses Kreuz von einer Ahlener Ordensschwester sein könnte.

Segenskreuz Aethiopien

Äthiopien, früher Abessinien bis zum 20. Jh. war während des 2. Weltkrieges 5 Jahre von Italien besetzt, danach ein Kaiserreich unter Kaiser Haile Selassie. Die Monarchie endete 1974.

Außer den 34 % in Äthiopien lebenden Muslimen sind die größten Religionsgemeinschaften seit dem 4. Jahrhundert die äthiopisch orthodoxen Christen, die sunnitischen Muslime und verschiedene äthiopisch-evangelische Kirchen. Minderheiten bilden die Anhänger von Naturreligionen, Katholiken und Juden.
1434 - 1468 mußte jeder Christ in Äthiopien ein Kreuz tragen. Jeder christliche Priester in Äthiopien besitzt ein Handkreuz, das er ständig bei sich trägt. Er berührt die Gläubigen damit an der Stirn und die wiederum küssen das Kreuz. Mit dem Kreuz erteilt er den Segen auf alles, was gesegnet wird.

Das Handkreuz in Art eines Schlüssels (zum Paradies?) aus Äthiopien, gefertigt im 20. Jh., besteht aus dem Kreuzblatt, dem Stiel und dem Griff, der auch „Adams Grab“ genannt wird.

Gesamthöhe des Kreuzes ca. 260 mm, Breite ca. 125 mm, Material: Metall versilbert.

Im Zentrum ein durchbrochenes Tatzenkreuz, dessen Zwischenräume mit vier Fantasiekreuzen ausgefüllt sind, die zusammen ein Quadrat bilden. Den oberen drei Tatzenkreuzbalken sind drei ausgesägte Krückenkreuze hinzugefügt, wobei die untere Kreuzform in den Stiel ausläuft, der wiederum in einem Krückenkreuz endet.