In der evangelischen Kirche gibt es zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl.
Beide wurden von Jesus selbst eingesetzt. In einer menschlichen Handlung wird die göttliche Dimension unseres Lebens sichtbar. Alltägliches Wasser wird durch die Verheißung Gottes in der Taufhandlung zu einem göttlichen Segen.

In der Taufe wird der Täufling in die Gemeinschaft mit Gott und in die christliche Gemeinschaft aufgenommen. Dies wird durch eine Taufurkunde bestätigt.

Becher, Kelch, Pokale sind Trinkgefäße
Becher von Bek franz. = Mund, Maul
Pokal von poculum oder boccale bocca = Mund
Kelch hat seinen Namen von der Gestalt, Blütenkelch 
Pokal und Kelch unterscheiden sich vom (im?) Gebrauch
Der Kelch gilt als "Sakrales Gefäß"

kelch frontkelch rueck

Vorderansicht                                   Rückansicht

 

kelch deckel

Deckel

 Trinkgefäß - Abendmahlskelch

Höhe ca. 24.8 cm mit Deckelaufsatz ca. 30 cm

Das Gefäß aus Silber ist in Deutschland angefertigt.
Das zeigen die sichtbaren Stempel (Punzierungen) im Fuß.

Seit 1888 (durch Bismarck) hat in Deutschland das Feingehaltsgesetz Gültigkeit. Gegenstände aus Silber müssen mit einer dreistelligen Zahl versehen werden. Das geschieht meistens mit einem gehärteten Eisenpunzen, der in die angefertigten Gegenstände eingeschlagen wird.

Die 3 Zahlen (Tausendstel) nennen den echten Silberanteil der Silberlegierung, da reines Silber für eine weitere Bearbeitung zu weich ist. Der Stempel 800 bedeutet, dass das Objekt 800 Teile reines Silber enthält und 200 Fremdteile, die aus Kupfer oder anderen Metallfremdteilen sein können.

Weitere eingeschlagene Stempel zeigen den sogenannten Halbmond für Silber und das Meisterzeichen oder Firmenzeichen des Herstellers, auch um bei Vergehen u.a. gegen das Feingehaltsgesetz gegen den Verursacher klagen zu können.

Warum die Punzierungen?

Als das Feingehaltsgesetz in Kraft trat, waren die Edelmetalle Gold und Silber gleichzeitig in Form von Münzen als Zahlungsmittel im Umlauf. 1888 hatte die 5 Mark-Münze ein Silbergewicht von 28 Gramm.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden neue 5 Markstücke in Silber geprägt, die nur noch ein Gewicht von 14 Gramm hatten, bis dann auch die Silbermünzen eingezogen und durch ein Stück wertloses Papier ersetzt wurden. Wert ist heute nur die Zahl auf dem Aufdruck.

Das trifft nicht auf die Gedenkmünzen zu.

 

Weitere Information

Der runde Fuß ist in Silber getrieben und hat einen Durchmesser von 12,5 cm. Er vermindert seinen Durchmesser treppenartig und ist mit einem umlaufenden dekorativen UIUIUIUI Muster umrundet.

Der runde Sockel mit poliertem Rand weist etwa mittig ein getriebenes Bandelwerk auf. Vier C-Bögen auf der anschließenden polierten Fläche bilden die Verbindung zum aufsteigenden Nodus, der mit fünf Balustervasen geschmückt ist.
Danach folgt der Cuppa-Aufsatz in konischer Becherform, dessen Basis wiederum ein getriebenes Bandelwerk bildet - alles im Stil des Historismus.
Der Trink-Becher als solcher ist stark ornamentiert mit C-Bögen und Schnörkeln, wobei zwei Lorbeer-Kranzornamente die Gravurfelder umrunden. Sie weisen folgende Gravuren auf:

Ihrem Treuen Hirten Herrn Pastor Eduard Vogt 1854 - 1893
In herzlicher Liebe und Dankbarkeit gewidmet. Die Gemeinde Burscheid

Den Abschluß des Bechers bildet ein nach außen gestellter mit Ornamenten gravierter Lippenrand. Der Kelchbecher ist innen vergoldet. Es ist üblich, Silbergefäße, die mit Wein gefüllt werden, innen zu vergolden, da die Weinsäure Oxidation hinterlassen kann.

In der Evangelischen Kirche gibt es keine Bestimmungen für Gefäße, die bei der Abendmahlsfeier verwendet werden können.

Eine besondere Bedeutung nimmt der Deckel ein, ebenfalls innen vergoldet, mit einem bauchig gestalteten Ring, auf dessen Podest, thronend die ca. 10,5 cm vergoldete Figur Martin Luthers mit der Mönchskutte dargestellt ist. In seinen Händen trägt er die Bibel.

Das echt silberne Trinkgefäß ist ein Musterbeispiel des Historismus und befindet sich in hervorragendem Zustand.
Es ist ein Exponat der evangelischen Religionsgemeinschaft, welches die Sammlung des Interreligiösen Museums bereichert.

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Evangelisch-lutherische Kirchen sind christlicheKirchen, deren Konfession sich auf die Bibel des Alten und Neuen Testaments und in Teilen auf die Dogmenbildung der Alten Kirche und auf die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche gründet, die im Zuge der Wittenberger Reformation von Martin Luther und anderen lutherischen Theologen, wie beispielsweise Philipp Melanchthon, verfasst wurden. Der lutherischen Konfessionsfamilie gehören etwa 74 Millionen Christen an.

buch pfarrer gareis

Geschichte der Deutsch-evanglischen Heidenmission 1901

von Pfarrer Reinhold Gareis

Geschenk v. Frau Christel Grigoleit an das Interreligiöse Museum am 1. Juni 2014, dem Tag der Ausstellungs-Eröffnung

"Mit Gebetbuch und Posaune"

Das Buch mit 607 Seiten reflektiert die Geschichte der Deutsch-evanglischen Heidenmission in der Welt Anno1901 unterstützt durch Fotos und Karten.

Der in schwarz mit Goldschrift geprägte Umschlagdeckel zeigt u.a. in einem Kreis einen Kelch und ein aufgeschlagenes Buch und Blumen als Dekoration.

Auf dem unteren Buchdeckel sind zwei Portraits von jungen Einheimischen aus den Missionsgebieten dargestellt. Im Zentrum eine Kreuzdarstellung mit Kreis.

Die Landkarten sind in Farbe gedruckt.


Sanduhr Bibliothek-Uhr für die Lesezeit.

Kanzelsanduhr

Bevor Johannes Gensfleisch, Rufname Gutenberg aus Mainz, den Buchdruck um 1450 erfunden hatte, wurden die Schriften aber auch noch danach von kundigen Personen (Mönchen) geschrieben, gemalt.
Bücher waren Kostbarkeiten und sehr teuer. Es gab Räume, Lesestuben, in denen Personen für eine gewisse Zeit in einem angeketteten, geliehenen Buch lesen und studieren konnten. Diese Zeit wurde mit der Sanduhr kontrolliert, bestehend aus vier Doppelglaskolben für eine Viertel-, eine Halbe- eine Dreiviertel-. und eine volle Stunde. Man kann davon ausgehen, dass für die Lese-Zeitdauer eine Gebühr erhoben wurde.

Die Sanduhr im Metallgehäuse mit den Glaskolben aus dem 16./17. Jahrhundert im Interreligiösen Museum in Ahlen ist, wie Vergleichsobjekte zeigen, zunächst als Kontrollzeituhr für den Lesenden einzustufen und diente später mit dem Standfußzusatz als Kanzelsanduhr.

Kanzelsanduhr für die Redezeit

Martin Luther *1483 †1546 war der theologische Urheber der Reformartion und ein wortgewaltiger Prediger. Die Gottesdienste in den Kirchen waren und sind bis heute in reformierter und lutherischer Weise sehr Wort betont.
Gottesdienste dauerten damals nicht nur Stunden, sondern konnten auch Tage dauern. Beispiel: Schloßkirche zu Wittenberg 1517.

Das war der Obrigkeit zuwider. Daher wurde durch ein Edikt bestimmt, dass auf jeder Kanzel in einer protestantischen Kirche sichtbar für die Kirchenbesucher eine Sanduhr zu stehen habe, die vier Zeiteinteilungen anzeigt, nämlich eine Viertel-, eine Halbe-, eine Dreiviertel- und eine ganze Stunde anzeigt.

Martin Luther selbst predigte stundenlang. Gleichzeitig monierte er sich über zu lange Predigten und empfahl "eine Stunde" als vernünftiges Maß.

Die Sanduhr im Interreligiösen Museum im Ahlener Goldschmiedehaus in Westfalen hat die Maße 625 x 320 mm.

Der Halter wurde später hinzugefügt, wie die Gravur dokumentiert:
Peter Padde und Ingri
Post dedit CGE 13. Marty 1704

Oberes Endeder Stange: Ein gegossener Strahlenkranz, in dessen Zentrum ein halbplastisches Sosnnen- oder Mondgesicht angeordnet ist. Darunter befinden sich Palmwedel, die phantasievoll und zugleich dekorativ verbunden sind. Oberhalb des Postaments befindet sich ein Totenkopf mit zwei Knochen, eine Darstellung als Erinnerung an Adam, den ersten Menschen, und an seine und die allgemeine Vergänglichkeit.
Die Bodenplatte mit den vier Befestigungsschrauben sind noch im Originalzustand. Einige Teile der Kanzelsanduhr waren damals versilbert oder vergoldet, wurden jedoch im Laufe der Zeit völlig abgerieben. Zum Glück sind die Original-Punzierungen (Stempel) noch vorhanden, durch welche ein solches antikes Objekt noch wertvoller wird. Es sind in je einem Wappen eine Krone und die Buchstaben EO und BO positiv in die Stange eingeschlagen.

Weitere Kanzelsanduhren befinden sich in Schweitnitz, im evangelisch-lutherischen Dom St. Marien zu Freiberg in Sachsen, im Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden, im westfälischen Lünern bei Unna (unvollständig), in Upsala in Schweden.

Diese Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit

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