Mittwoch der 13. März 2002, 19 Uhr
Benennung des Siegmund-Spiegel-Platzes in Ahlen

Es sprechen:

  • Bürgermeister Benedikt Ruhmöller

  • Landesrabbiner Dr. Henry Brandt

  • Dr. Hans-W. Gummersbach (Autor des Buches "Der Weg nach Auschwitz begann auch in Ahlen")

  • Werner Fischer (Leiter des Museums im Goldschmiedehaus Ahlen)


Musikalisches Rahmenprogramm:

  • „Quartetto Michaelis“ Das Streichquartett am Gymnasium St. Michael
    Einstudierung: Birgit Boch

Der Leiter des Museums im Goldschmiedehaus Ahlen und Initiator der Platzbenennung, Werner Fischer, hat zum Gedenken an Siegmund Spiegel eine Bronzetafel angefertigt, die zu Beginn der Veranstaltung enthüllt werden soll. Hauptredner ist anschließend Landesrabbiner Dr. Henry Brandt aus Dortmund, der sich erstmals in Ahlen aufhalten wird. Dr. Brandt ist gleichzeitig auch der Vorsitzende des Koordinierungsbüros der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Gedenktafel Siegmund Spiegel

Es gab keine Anklage
es gab keinen Prozeß
es gab kein Urteil

In der Justiz gibt es den Begriff der Verjährung.

Die Moral kennt keine Verjährung.

Siegmund Spiegel war kein bedeutender Mann der Geschichte aber das Forum der Brüderlichkeit möchte, daß er ein bedeutender Mann der Ahlener Geschichte wird.

Es ist der erste jüdische Mitbürger in dieser Stadt, der in der nationalsozialistischen Zeit - erschlagen - ermordet wurde.

Spiegel wurde in der Reichskristallnacht, eine Wortschöpfung, die mich traurig stimmt, halbnackt aus seinem Haus in die Straße "Im Kühl" getrieben in Richtung Werse, um dort ertränkt zu werden. Er bat um Gnade aber die Schläger schlugen weiter zu und wollten Siegmund Spiegel bis zur brennenden Synagoge in der Klosterstraße über die Wilhelmstraße jagen. Es war sein letzter Weg. Es war seine letzte Straße. Auf der Wilhelmstraße brach der Gejagte und Geschundene zusammen, nur noch mit einer Leibbinde bekleidet.

Wir haben in Ahlen ein Mahnmal, ein Mahndenkmal, das die Namen aller deportierten Juden nennt. Im Schatten der Steele steht: daß der damalige Rat der Stadt Ahlen im November 1939 der Reichsregierung mitgeteilt hat, daß Ahlen Juden frei sei. Und weiter lesen wir, daß ein Mensch in der Nacht vom 9. auf den 10. November erschlagen wurde. Seinen Namen "Siegmund Spiegel" finden wir nicht auf der Steele, aber wir alle werden mit unserem Namen gerufen.