Reliquiar

2 Armreliquiare
Fotos: Marita Schlüter

Beschreibung und Deutungen zu den beiden Armreliquiaren, rechter und linker Arm mit Reliquien.

Sie wurden auf dem Kunstmarkt 2013 erworben, dokumentiert und restauriert. Die beiden Armreliquiare mit ihren Reliquien werden der Sammlung "Sakrale christliche Kunst"
im Interreligiösen Museum im Goldschmiedehaus Ahlen zugeführt.

Reliquie - die lateinische Interpretation für das deutsche Wort "Überbleibsel" ist ein körperliches Andenken an einen verstorbenen Menschen.
Reliquien von Heiligen oder auch Seligen sowie auch berühmter Persönlichkeiten, insbesondere in der katholischen Religion, nehmen eine prominente Stellung ein in der Verehrung aber auch in der Fürbitte und der Erinnerung.
Heilbringende Gebetsverbindungen werden begleitet und gestärkt durch das reale Zeugnis des Verstorbenen.
Die Reliquie braucht ein Gehäuse, ein kostbares Schaugefäß für den Zeige- und Segensgestus.
Was liegt näher, als den Reliquiaren eine Form zu geben, die den Inhalt optisch unterstützt, um nur einige zu nennen als Kopf-, Finger-, Hand-, und Armreliquiar.
Sie werden zum Gedenken bei Andachten, Fürbitten und zur Verehrung im kirchlichen
Bereich gezeigt.
Auch im profanen Bereich, in vielen Schatzkammern, Diözesanmuseen und Ausstellungen wie zur Zeit in der Ausstellung "Credo" in Paderborn werden Reliquiare zur Schau gestellt.

Das Interreligiöse Museum im Goldschmiedehaus Ahlen
erhält eine weitere Bereicherung.

Auf einem rechteckigen, geschnitzten, altarähnlichen Holzsockel, farbig gefasst und mit Gold belegt, steht jeweils ein schwarz drapierter Unterarm mit offener Hand.
In den beiden Händen zwischen Daumen und Zeigefinger befindet sich ein geschnitzter, dunkelgrüner Palmzweig.
Schon in der Antike ist der Palmzweig das Attribut für Würde und Sieg. Er gilt als Zeichen für Märtyrer lt. der Offenbarung 7.9 -14 .... und sie trugen Palmzweige in ihren Händen...

Beide Unterarme sind ausgehöhlt und präsentieren in einem barock geschnitztem mit Gold belegtem Holzrahmen hinter einer ovalen aus der Zeit stammenden Glasscheibe Knochenreste, Reliquien mit den Beschriftungen: S. Lauiria M. (S. Fauiria ?)
und S. Antoninus.

Die Authentizitäten der Knochenreste
werden durch 4 Siegelbestätigt. Zwei dieser Siegel bei dem Reliquiar von S. auiria sind gebrochen und beschädigt. "Eine zuverlässige Identifizierung des Namens ist nur durch Autoroption möglich, aber ich bin kein Paläograph" teilte mir Prof. Dr. Arnold Angenendt, Münster, mit.

vergroesserung

     Reliquien des Hl. Antoninus                            Reliquien einer Heiligen
Fotos: Marita Schlüter

Die Reliquien, die sich im rechten Arm befinden, stammen vom hl. Antoninus, nicht dem hl. Antonius von Padua, dem Patron der Suchenden, sondern dem hl. Antoninus von Piacenza, früher Placentia in Italien,Schutzpatron von Piacenza.

Es ist schwierig, die Ereignisse und seinen Tod zu rekonstruieren.
Nach der Überlieferung war Antoninus ein römischer Legionär, der sich zum Christentum bekannte. Er wurde am 4. Juli 303 in der Nähe von Travo im Tal Trebbia gemartert und enthauptet. Zuvor aber hatte er das Christentum in Piacenza eingeführt.

Diese Daten stützen sich auf Annahmen und Vermutungen, sie werden jedoch nicht vollständig durch historische Quellen unterstützt.
Das älteste historische Dokument ist eine kurze Geschichte über die Entdeckung der Überreste des heiligen Antoninus gegen Ende des vierten Jahrhunderts zur Zeit des Bischofs Savino wahrscheinlich am 13. November 388.

Die Überreste, die Gebeine wurden an der Stelle gefunden, wo später die Kirche S. Maria in Cortina gebaut wurde. Die Reliquien wurden in die Basilika zu Piacenza übertragen, die heute dem Schutzpatron geweiht ist.

Eine Basilika ist eine Kirche mit bestimmten Privilegien, die ihr vom Papst verliehen wurden.

In der kirchlichen Liturgie werden in Piacenza zwei Daten von St. Antoninus festlich begangen, am 4. Juli sein Martyrium und am 13. November die Auffindung der heiligen Reliquien.

San Vittorio, erster Bischof von Piacenza, (322 - 357) erklärte Antoninus zum Patron von Piacenza und ließ 324 zu seinen Ehren die erste Basilika in Piacenza errichten. Sie wurde 903 restauriert, 1101 umgebaut, abermals im Jahre 1562 und ist noch heute Kirche. Die Überreste des Bischofs San Vittorio und der Soldaten befinden sich in Urnen unter dem Altar.

Santantonino

Die Basilika Sant’Antonino ist eine romanische Kirche in Piacenza. Sie ist dem Stadtpatron Antoninus von Piacenza (6. Jahrhundert) geweiht, dessen Grab sie auch beherbergt. Charakteristisch für die Basilika ist vor allem der vierzig Meter hohe achteckige Turm. Im Inneren der Kirche befinden sich vier große Gemälde von Robert de Longe (1645–1709), Reste von „Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius“ von Bartolomeo di Groppallo.

Die beiden ovalen roten Siegel tragen das Kardinalswappen des Giacopo de Angeli, Erzbistum Urbino um 1690 und bestätigen die Authentizität der Gebeine des hl. Antoninus.
Durch die Erhebung der Gebeine, also die feierliche Überführung (Tranlation) in einen Reliquienschrein oder in ein Reliquiar wurde die Selig- oder Heiligsprechung nachdrücklich hervorgehoben.

Eine kleine Sensation auf dem Kunstmarkt.

Werner Fischer, Leiter des Interreligiösen Museum im Goldschmiedehaus Ahlen, ist es gelungen, einen Kupferstich des berühmten Goldschmieds und Kupferstechers
Jac. (Jacobus) Blondeau, sculp.
geboren: am 5.9.1655 in Antwerpen, gestorben: 1698 in Rom
tätig in Antwerpen, Paris und Rom,
Schaffenszeit: 1670-1698 in den Niederlanden und in Italien
zu erwerben mit dem Porträt und der Vita des

Kardinals Giacopo de Angeli,
der nun mit den beiden Armreliquiaren ausgestellt wird.

kupferstich innocentius xi 

Kardinal Jacobus de Angelis

Das rechte Kardinalswappen auf dem Kupferstich ist identisch mit den beiden Siegeln, die sich auf dem Armreliquiar mit den Reliquien des heiligen Antoninus befinden.

Jakobus De Angelis (Pisis, Pisanus) wurde als Sohn einer angesehenen Familie am 16. Juni 1611 in der Erzdiözese Pisa geboren. Seine Eltern waren Franzisco Equite und Eleonora, Tochter des Kaufmanns Prinzivallis de la Stufa.
Drei Viertel des Jahres wurde er in Rom im Collegium Clementinum unterrichtet.
Seine Studien füllten ihn vollkommen aus aber wegen seines Gesundheitszustandes mußte er zurückkehren. Als er vollkommen genesen war, studierte er viele Disziplinen an der Universität Pisa. Er erhielt das Diplom Laurea Doktoralis am 17. Juni 1633.
Bald darauf ging er wieder nach Rom, studierte eine Zeitlang intensiv und verfaßte Schriften. Er kam gut voran auch mit Unterstützung seiner Frau De la Stufa.
Von jetzt an begann sein Aufstieg in die römische Kurie in der Zeit des Pontifex Innozenz X. und Alexander VII.

papst inno x Innozenz X. (eigentlich Giovanni Battista Pamphilj; * 6. Mai 1574 in Rom; † 7. Januar 1655 ebenda) war Papst von 1644 bis 1655.
papst alex VII Alexander VII. (* 13. Februar 1599 in Siena; † 22. Mai 1667 in Rom), eigentlicher Name Fabio Chigi, war von 1655 bis 1667 Papst der katholischen Kirche.

Zu jener Zeit, um 1657 grassierten in großen Teilen Italiens Seuchen. Nach dem zwölfjährigen Virus gab es nicht mehr viele, die im Tribunal gesetzliches Stimmrecht hatten, wie berichtet wurde. Aber sobald sich die Kirche Christi gewissermaßen erholt hatte, wurde er 1660 zum Erzbischof des Bistums Urbino gewählt von
Papst Alexander VII. 1686 wurde er Kardinal.
Er fügte seinem Kardinalstitel de Angeli "Sanctae Mariae in Ara Coeli" hinzu.

In seiner Eigenschaft als Erzbischof und Kardinal war er sehr wohltätig. Finanziell half er dem Erzbistum Urbino, wie auch dem Kloster Peregrini in Monte Apernino.

Er stellte Regeln auf für die Dokumentation der Reliquien, ihre Wiedererkennung und Bewahrung.
"Um das Ganze herauszufinden, muß man sein Ersuchen ankündigen und größte Sorgfalt anwenden. Ferner muß man die heiligen Reliquien wiedererkennen, ihre Kapseln sorgfältig verschließen, das Authentikum und ihre Beschreibungen, besonders die Geschichte der Märtyrer, der Heiligen, mußten durch Beschriftungen des Bistums Urbinos bestätigt werden".
Gewöhnlich wurden die Übereinstimmung der Reliquien bedeutender Seelen wegen ihrer Herkunft, ihres Standes, ihres christlichen Begräbnisses nur bestätigt, weil man die Totenruhe nicht stören wollte.
Dies wurde während des Apostolats Innozenz XI. beendet.
Er setzte seine vielen Lehren "Piorum" an die Spitze.
De Angeli widmete sich ganz seiner Arbeit. Immer wenn der Zeitpunkt zu einer Zusammenarbeit mit Papst Alexander VIII. gekommen war, kehrte er zurück.
Zum wiederholten Male wurde er von Papst Innozenz XII. in ein neues Comitee berufen - es war seine dritte Einberufung - als ihn sein Vaterland, in dem er so erfolgreich gearbeitet hatte, zurückrief.

papst inno xii Innozenz XII., bürgerlich: Antonio Pignatelli, (* 13. Juni 1615 in Neapel; † 27. September 1700 in Rom) war von 1691 bis 1700 Papst.

Kardinal de Angeli verstarb am 15. September 1695. Sein Leichnam wurde begraben in der
Kirche Fratrum Minorum Sancti Francisii (Franziskus) in Rom
Aber wie der Kardinal vorher selbst in seinem Testament bestimmte, sollten seine Gebeine in seine Titular-Kirche Sancta Maria de Ara Coeli in Rom überführt werden.
(Kardinal De Angelis war von 1686 bis 1695 auch Kardinalpriester in dieser Kirche)
im Zentrum Roms auf dem Kapitolinischen Hügel
zwischen der Piazza Venezia und dem Palazzo Nuovo am Kapitolsplatz.

D. O. M.
Kardinal De Angelis von S. Mariae de Ara Coeli
geboren 1611
Lebte nicht für sich, sondern für das christliche Volk
Unterstützer der päpstlichen Anweisungen von Innozenz XI.
Zum Kardinal berufen 1686
Gestorben in Etruria 1695
Sein Leichnam wurde mit Sorgfalt hierher getragen
Marchio Ritter und Prior von St. Stefanus
Johannes Philippus, Neffe des Bruders
Anno 1701

Das Interreligiöse Museum im Goldschmiedehaus Ahlen bemüht sich um ein Foto vom Grab des Kardinals de Angeli in Rom.

Leider ist es noch nicht gelungen, die Identität der Heiligen im 2. Armreliquiarzu erforschen.

2013 wurden die beiden Reliquiare von Marita Schlüter, Diplom-Restauratorin für Gemälde und Skulpturen, konserviert und restauriert.

Wappen und Siegel

Der Kupferstich mit dem Porträt des Kardinals de Angelo, gestochen von Blondeau, stellt neben den schriftlichen auch zeichnerische Erkenntnisse des Wappens dar.

Links oben das päpstliche Wappen von Papst Innozenz XI. mit Tiara und 2 Schlüsseln. Die beiden Schlüssel auf dem Papstwappen erinnern an die Schlüsselgewalt Petrus, den ersten Papst, den ersten Bischof von Rom und die Bibeltexte:
Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs übergeben:
"Alles was du auf Erden bindest, soll auch im Himmel gebunden sein. Was du auf auf Erden löst, soll auch im Himmel gelöst sein". Matthäus 16,19

Das zweite Wappen rechts oben gehört zum abgebildeten Kardinal de Angelo mit Kardinalshut (galero) und den seitlichen Quasten, dem Vortragskreuz für den Erzbischof im Kardinalsrang. Im Wappenschild präsentiert sich ein Engel mit Flügeln (de Angeli), mit Palmwedel und Füllhorn. Der Engel steht auf einem Sternenpodest.

Das gleiche Wappen befindet sich auch als Siegelabdruck auf dem Armreliquiar mit den Reliquien des heiligen Antoninus von Piacenza.

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Reliquiar vor 1500

 

Reliquiar - Turmreliquiar - Donninus

Kupfer, vergoldet, getrieben, graviert, Glas

Maße: Höhe 410 mm, Breite des Schaugefäßes 70 mm, Durchmesser des Fußes 120/170 mm

Die Basis zeigt eine typische gotische Fußform in der Art eines sechsseitig geschweiften Sternes.
Die Seiten sind abgesetzt und mit einer umlaufenden Punktreihe verziert.

Eingravierte florale Ornamente beleben die Zwickel der Oberseite des Sternes. Ein nochmals aus dem Stern hervorgetriebener Rundfuß, der mit einer gravierten Sechspassrosette verziert ist, leitet zum sechsseitigen Schaft des Reliquiars über.

Der Schaftsockel ist mehrfach profiliert. Ein gewalmter sechskantiger Nodus mit einer vorspringenden Sechskantplatte unterteilt den Schaft in zwei Hälften. Der sehr schlanke Schaft trägt die Laterne des Reliquiars, die aus einem viereckigen Glasgehäuse mit über Eck gestellten Pfeilern geformt wurde.

Hinter vier Fensterrahmungen aus kleinen Rundbögen, die an den Seiten mit Säulenkapitellen abschließen, ist die Reliquie, ein Knochenstück des heiligen Domninus (gestorben 304 ?) auf rötlichem Textilgrund aufgenäht.
Ein Papierstreifen mit der Beschriftung S. Domninus M 9. October. kennzeichnet die Reliquie.

Dechant Paul Röschenbleck hat im November 1985 im Martyrium Romanum und acta Santorium (Heiligengeschichte) nachfolgende Information erfahren:

Der Schriftsatz im Reliquiar Domninus M 9. October

Bei Julia im Gebet von Parma an der claudischen Strasse wurde gemartet der hl. Blutzeuge Domninus. Unter Kaiser Maximus (Nachfolger des Kaisers Constantin) wollte er der wütenden Verfolgung ausweichen, wurde aber von den Verfolgern ergriffen. Vom Schwert durchbohrt (bei der letzten Christenverfolgung) fand er ein ruhmvolles Ende.

Fest: Am 9. Oktober

Eine Begutachtung der Reliquie fand durch den Chirurgen Dr, Thomas Haug, Ahlen, anno 2009 statt mit dem Ergebnis, dass es sich hierbei um einen Knochenteil handelt.

Im Marthyrium Romanum steht:
Bei Julia im Gebet von Parma an der claudischen Strasse wurde gemartet der Blutzeuge Domninus. Unter Kaiser Maximianus (Nachfolger Kaiser Constantin ) wollte der wütenden Verfolgung ausweichen, wurde aber von den Verfolgern ergriffen. Vom Schwert durchbohrt (bei der letzten Christenverfolgung) fand er ein ruhmvolles Ende.

Eine Begutachtung der Reliquie fand durch den Chirurgen Dr. Thomas Haug, Ahlen, anno 2009 statt, mit dem Ergebnis das es sich hierbei um ein Knochenstück handelt.

Ein viereckiger Kegel verschließt das Gefäß von oben mit einem Scharniergelenk. Die Dachseiten sind mit Krabben befestigt und auf straffiertem Grund verziert. Eckfialen und ein umlaufender Zinnenfries runden den Eindruck einer Turmspitze ab. Eine ursprünglich vorhandene Turmbekrönung ist abgebrochen und nicht mehr vorhanden.

Der Vergleich mit parallelen Werken, hier vor allem ein gleichgestaltetes Reliquiar im Bayerischen Nationalmuseum in München (Inv. Nr. 3572 MA), läßt vermuten, dass es ein Kreuz gewesen ist.

Der hl. Domninus von Fidenza zählt zu den im italienischen Raum besonders verehrten Heiligen. Als angeblicher christlicher Kammerdiener des Kaisers Maximilian wurde er 304 bei Fidenza/Italien enthauptet. Der Tag seines Martyriums wird jeweils am 9. Oktober gefeiert. Besondere Verehrung erhält er immernoch in Fidenza, Italien.

Weitere Recherchen des Märtyrer Domninus oder Donninus oder auch Doninus weisen auf einen Soldaten, einen römischen Offizier in Trier hin, der auf der Claudischen Straße nach Rom enthauptet wurde.

In den Korrespondenzen mit Museumsdirektor Gianpaolo Gregori erfahre ich (Werner Fischer) über den Stadt- und Kirchenpatron der Stadt Fidenza in Italien:

In Fidenza befindet sich unter dem Altar der Crypta der Kathedrale ein fast vollständig erhaltenes Skelett des S. Donnino, das – über dessen Umfang man berichtet hat – 1853 wiederentdeckt wurde in einem unterirdischen romanischen Altar des II. Jahrhunderts.

Ich, Museumsdirektor Gianpaolo Gregori hatte die Gelegenheit, 2006 bei der letzten Rekonstruktion dieses Skeletts dabei zu sein, die angeführt wurde in Anwesenheit eines

Paläopathologen aus Parma, der festgestellt hat, dass das Gerüst richtig zusammengefügt war.

Die dortigen Bestände sind aber unkomplett deswegen, weil die Existenz eines Fragments einer Reliquie in Ahlen (müßte wissenschaftlich geklärt werden) in Zusammenhang steht mit der derzeitigen Situation und stellt ein geschichtliches Problem dar, das ich zu lösen versuche, seit ich davon Kenntnis bekommen habe.

In Fidenza behauptet man, dass der Korpus des gemarterten Patrons von dem Ort entfernt wurde, wo er aufbewahrt wurde und im Jahre 1178 hat man ihn provisorisch in der Kirche S. Pietro untergebracht, während man die Crypta des Domes, wo man ihn 1207 unter dem Altar des neuen Altares untergebracht hatte, erneuert hat. In diese Epoche fällt auch das Einsetzen des Zahnes des Heiligen in den romanischen Kelch des hl. Donnino.

Eine andere Relique existiert in der Nähe von Fidenza seit 1853, wo sie in einem silbernen Armreliquiar von 1720 in der Kirche des S. Donnino in Montecchio Emilia (Provinz von Reggio Emilia) aufbewahrt wird.
Man weiß nicht, wann die Reliquie von der Kirche gekauft wurde, die auf das 12. Jahrhundert zurückgeht (das hängt mit der Diözese von Parma zusammen) aber ich vermute, dass sie nicht vor dem 16. Jh. dort angelangt ist.

Aber in 1488 hat man unter dem Altar der Krypta des Domes eine geschnitzte Marmortruhe aufgestellt von einem lombardischen Künstler (die den Korpus niemals beinhaltete!). Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass man in diesem Fall eine neue Erkenntnis machen muss über den Korpus des Patrones, obwohl es dokumentiert ist, könnte durch die Existenz der Reliquien in Montecchio und in Ahlen der Beweis erbracht werden. Anders ist das nicht zu erklären.

Soweit der übersetzte Text des italienischen Museumsdirektors.

Bereits vorher im Jahre 1997 war das Ehepaar Fischer für mehrere Tage auf den Spuren des hl. Domnino in Fidenza und nahm auch an den Feierlichkeiten des 9. Oktobers teil.

Reliquiar, Reliquienbüste St. Emilio, Spanien 18. Jh.

2013-04-18 08.38.54

Kupfer, versilbert, vergoldet, getrieben, ziseliert, punziert (über Holzkern geformt) Maße: Höhe 620 mm, Breite 263 mm, Sockelbasis 120 x 173 mm, Marken: keine.

Die Reliquenfigur des Heiligen erhebt sich über einem rechteckigen Postament mit gestuftem Fußgesims. Der aus Holz gearbeitete Sockel ist nur an der Schauseite mit Metallbeschlag, aus dem eine heraldsiche Lilie herausziseliert wurde, verziert.

Die Büste zeigt das aus Metall getriebene und ziselierte Bildnis eines Heiligen (St. Emilio), angetan mit Messgewand (Pluviale) und Mitra. Das Messgewand ist reich verziert.

An der Rückseite ist der Holzkern sichtbar; im Gegensatz zum Kopf, der vollplastisch ausgetrieben ist. Die zweiteilige Mitra ist aufgesetzt. Sockel, Meßgewand und Mitra sind untergrundig mit einer Kreispunze punziert.


Das Gesicht des Heiligen ist frontal ausgerichtet. Sein Bart und Haupthaar fällt in Locken herab. Auf der Brust des Heiligen ist eine ovale Fassung mit Boden eingesetzt, die ursprünglich der Ort der Reliquenkapsel gewesen ist.

Die Ausführung der Arbeit läßt auf ein hohes Können des Ziselleurs schließen.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst Seite 106

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Fassadenreliquiar, Neapel 1736, Silber,

2013-04-18 08.42.15

getrieben, ziseliert, punziert, graviert, auf geformten und grundierten Holzkern aufgezogen.
Maße: Höhe 400 mm, Breite der Schmuckfassade ca. 138 mm, Sockelbreite 131 mm, Sockeltiefe 89 mm.
Marken: Beschauzeichen der Stadt Neapel 1736 (Rosenberg 3. Band, 7404). Wardeinstempel der der Stadt Neapel 1736 (Rosenberg 3. Band, 7411)
Inschrift: NIC. DE BLASIO ET LAV. DE NEAP. EX D. IOS.CESA!. A.D. 1736

Auch um die Zeit nach Christi Geburt war der Kuss als Begrüßung üblich, denn der Evangelist Markus berichtet (14,44) "Der Verräter (Judas) hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es. Nehmt ihn fest, führt ihn ab und lasst ihn nicht entkommen." Es war das Zeichen für die römischen Besatzungs-Soldaten, den Menschen Jesus, geboren in Bethlehem, zu verhaften.

Reliquiar in Form eines barocken Fassadenreliquiars, das seiner Funktion nach auch Kußreliquiar genannt wird. Der Griff an der Rückseite dient dazu, dass den Gläubigen an besonderen Festtagen das Reliquiar zur Berührung oder zum Kusse gereicht werden konnte.
Die Schauseite des Reliquqars ist aus einer getriebenen und ziselierten Reliefplatte gestaltet, die auf einem geformten und grundierten Holzkern aufgenagelt ist.
Aufbau, Form und die ornamentale Gestaltung des Silberreliefbeschlages bestätigen die Herkunft aus der Zeit des italienischen Barocks.
Der Sockel ruht auf zwei Volutenfüßen. Als weitere Stütze dient auf der Rückseite ein Volutengriff aus Holz. Über dem Schaft mit angedeutetem Nodus erhebt sich die große Schmuckfassade mit einem ovalen Schaugefäß in der Mitte.
Die Oberfläche des Silberbeschlages ist durchgehend mit ziselierten C-Bögen und Akanthusblättern verziert. Das Schaugefäß mit der Reliquie wird zusätzlich an beiden Seiten von Engeln flankiert, die auf den C-Bögen ruhen. Am oberen Ende bekrönt eine Heiligendarstellung das Reliquiar. Sie ist von Wolken umhüllt und mit den Attributen Stab und Buch sowie einem Hundekopf versehen. Bekleidet ist der Heilige mit einer Mönchskutte.

Die Reliquie selbst wird gesondert in einer kleinen ovalen Dose mit verglastem Deckel aufbewahrt. Die Überreste sind auf einem rautenförmigen Papier und Textilgrund aufgeklebt. Ein Beschriftungsband kennzeichnet die Reliquie: S. Ludovici Reg.
Um die Echtheit der Reliquie zu dokumentieren, ist auf der Rückseite ein Siegel angebracht; ein beigefügtes Echtheitsschreiben, die Authentik, fehlt jedoch. (Fadenreste an alter Versiegelung).

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 100

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Reliquiar, Reliquienmonstranz, süddeutsch,
3. Viertel 18. Jh., Korallen

2013-04-18 08.46.46

Kupfer, vergoldet, getrieben, ziseliert, punziert, gegossen,
Maße: Höhe 348 mm, Durchmesser des Fußes 11 x 132, Marken: keine

Strahlenmonstranz im Stil des Rokoko. Das Schaugefäß mit Strahlenkranz erwächst aus dem Schaft mit querovalem Fuß. Die mit Rocaillen und kleinen Blüten herausgetriebene und zieselierte Wölbung des Fußes steht auf einem breiten überkragenden Rand. Von vier in sich nur leicht geschwungene Stege unterteilen die Oberfläche in vier Felder und leiten zum runden Schaftanstieg über.

Die Stilistik des Rokoko setzt sich fort in der Gestaltung des Knaufes, der als kleine Balustervase gestaltet ist und mit Volutenstegen und Muschelornamenten verziert ist. Aus dem auf diese Weise zum Zierelement aufgelösten Schaft erwächst das Schaugefäß, das mit einem Strahlenkranz mit bekrönendem Kreuz hinterlegt ist. Eine vorgelegte Schmuckfassade aus Rocailleornamenten ist mit vier Schrauben befestigt. Die Schraubenköpfe sind mit vier roten Korallen im Cabochonschliff verziert.

In der Mitte der Schmuckfassade ist das Reliquiengefäß in Form eine Kreuzes eingesetzt. Die Sichtöffnung ist mit Rahmenwerk aus Rocaillen umgeben und mit einer Innenzarge verdeckt zu schließen.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 102

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Reliquiar, Reliquienkapsel, Österreich (Wien)
18. Jahrhundert,

Messing, Kupferdraht, vegoldet, Silberband, Maße: 72 x 60 mm, Marken: keine

2013-04-18 08.44.38

Ovale, flache Reliequiendose (Klosterarbeit), die mit einem Scharniergelenk zu öffnen ist. Deckel- und Bodenfläche sind jeweils leicht nach außen gewölbt. Eine Öse mit Ring dient der Aufhängung.

Die beiden Innenseiten sind verschiedene Berührungsreliquien, die in Gaze gewickelt und mit einem Beschriftungsbändchen versehen sind, auf grünem Textilgrund befestigt und mit Filigrandraht und Perlchen kunstvoll eingefaßt. Sie sind kreisförmig um die Mitte angeordnet, in der zwei größere Reliquien befestigt sind: Marienreliquien und ein Teil der Hand der hl. Anna.

Nicht alle Reliquien können zugeordnet werden. Auf kleinen Schriftbändern befinden sich folgende Namen:

S: Hiboldi: M, steht für Märtyrer, S. Felicis: M, S: Fructuosi: M, S: Salvati: M, S: Faustinae: M,

S: Victorini: M, S: Severini: M, S: Incogniti:M, S: Maurili: M, S: Pacifici: M, S: Dariae: M, S: Urbani: M, S: Placiti: M, S: Martini: Epic, S: Candidae: M, S: Liberati: M, S: Mureae: M

Die Anordnung und Sammlung mehrerer Reliquien in einer Dose, wie das Beispiel belegt, entsprang der Vosrstellung, dass eine Häufung der Reliquien ihre Funktion als Kraftzentrum verstärkt.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 112

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Reliquienkapsel, ovaler Silberrahmen, ca. 30 mm x 25 mm, doppelseitig verglast. Am äußeren Rahmen befinden sich rote Siegellackreste.

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Im Zentrum der Kapsel liegt ein Holzkreuz aus zwei Balken. Es ruht auf rötlichem Stoff. Das Kreuz ist umgeben von einer sogenannten Klosterarbeit mit goldfarbenen Schnörkeln und Spiralen.

Eine Reliqienkapsel zur häuslichen Andacht. Eine gesicherte Datierung liegt nicht vor.

Nach dem Glasbefund und anderer Merkmale dürfte sie vor 1800 entstanden sein.

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Reliquienkapsel, oval, Messing, versilbert,
Bodenplatte 46 mm x 34 mm, darauf eine ovale Fassung in 11 mm Höhe, den Abschluß bildet ein Glasrand.

In der Kapsel sieht der Betrachter auf rotem Untergrund vier rechteckige Papierstreifen, die von oben nach unten beschriftet sind mit:

s. Eligii E.C. Sankt Eligius, französischer Goldschmied, Minister, Priester, Bischof

s. Johann. a Cruce C.D. Johannes v. Kreuz (1542-1591) Reformer d. Karmeliter Ordens

s. Vinc. Ferr C. Die Vita muß noch erforscht werden

s. Clotildis Reg. * um 474 † 544 Königin der Franken, als Heilige verehrt.

Oberhalb der Namen befinden sich auf rautenförmigem Papier jeweils Relikte von den genannten Personen.

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Reliquienkapsel, Silber? ca. 33, 5 mm x 27,6 mm x 6 mm.

Die äußere dekorative Umrandung ist fast verschwunden. Auf dem Rahmenrand befinden sich Reste von Siegellackrückständen. Der ovale Rahmen ist beiderseits noch original verglast.
Auf der Vorderseite der Kapsel sind im Zentrum 2 braune kleine Naturholzbälkchen kreuzweise angeordnet sind. Die weiteren Felder sind mit sogenannten Klosterarbeiten dekorativ gestaltet.
Das Alter der Reliquienkapsel dürfte in das 17 Jahrhundert datiert werden

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Reliquienkapsel, 19. Jh., Silberfassung , oval, 50 x 43 mm in Anhängerform

reliquiar

Dekorative Vorder- und Rückseite, ovale Durchlauföse.
Eingefaßt sind die Reliquien und die Silber-Deko in einer Fassung mit beidseitig angebogenen Krallenleisten. Als Umrandung der Fassung dient ein profilierter, gedrehter, geschwärzter Silberstreifen, der sich spiralförmig um den gesamten Anhänger legt.
Hinter einem ovalen Glas mit breiter Facette und starken Abnutzspuren erscheint im Zentrum ein Oval, um das sich weitere sechs Ansätze von Rundbögen in weißer Farbe gruppieren.
Oval- und Halbrundbögen sind beschriftet. Im Innern der mit Gold umrandeten Rundbögen befinden sich auf rotem Untergrund ungleiche Knochenbröckchen. Die Rundbögen werden von einem weißen Oval umschlossen, das von sechs blauen rechteckigen Feldern unterteilt ist. Die gleiche Anordnung befindet sich auf der anderen Seite, jedoch mit zwei Unterschieden: das ovale Glas hat leider einen Riss - ist gebrochen - und im Anhänger-Zentrum befindet sich statt des Ovals ein Herz, in dem die Reliquie ruht. Da die Gläser nicht ausgefaßt wurden, können die Beschriftungen kaum entschlüsselt werden. Vor allen Namen steht ein S. Man kann davon ausgehen, dass es sich um Reliquien von Heilgen handelt. Falls hinter den Namen ein M erscheint, haben die Heiligen ein Martyrium erlitten.

Im Anhänger befinden sich insgesamt 26 Felder für die Aufnahme von Knochenresten. Viele Heilige werden in besonderen Lebenssituationen angerufen und um Hilfe bei Gott gebeten
z. B. die 14 Nothelfer. Somit war die Anhäufung von Reliquien durchaus verständlich. Der Reliquienanhänger ist ein Weihnachtsgeschenk 2005 von Renate und Claus Pohl aus Duisburg an das Ehepaar Anni und Werner Fischer.

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Reliquienkasten, süddeutsch, Klosterarbeit um 1800

2013-04-24 11.50.55

Maße: Rahmen 313 x 275 mm, Tiefe 50 mm

Reliquienkasten in Form eines Bilderrahmens mit Glasabdeckung. Im Innern ist auf geprägtem Silberpapiergrund ein "Jerusalemer Kreuznagel" auf ein Samtkissen

aufgenäht. Ein angebundenes Papiersiegel dient als Echtheitszertifikat. Dem Oberteil des geschmiedeten Eisennagels ist eine Krone aufgesetzt. Als Umrandung des Nagels sind spiralförmige Gold- und Silberdrähtchen kunstvoll zu einer Bordüre angeordnet.

Zu beiden Seiten des Nagels befinden sich zwei Agnus-Dei-Medaillons (Apostel Paulus und Bartholomäus), deren Umrandungen ähnlich verziert sind wie der Nagel. Am oberen und unteren Ende des Nagels sind vier Reliquien mit Schriftbändern kunstvoll in Blumenmotive aus gewickeltem Silber- und Golddraht mit goldener und silberner Filigranstickerei, die mit farbigen Steinen und Perlen verziert ist, eingebettet. (leonisches Dekor).

Auf der Rückseite ist der Reliquienklasten mit Seidenstoff beklebt, der einen Schlitz enthält. Ein dort angebrachter Zettel trägt die Aufschrift:" Hier befindet sich die Authentika 1889." Leider ist diese nicht mehr vorhanden.

Schriftbänder kennzeichen die Reliquien mit den Namen:
St. Innocenti P.M., St. Margaretha J.M., St. Gaudenti M. und St. Reliquie M.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 114

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Reliquiar Kreuz, Spanien, 18. Jahrhundert, Glas, Silber

2013-04-18 08.41.08

getrieben, ziseliert, Maße: Höhe 472 mm, Breite 407 mm, Marken: keine

Großes Glaskreuz mit facettiertem Rand, das von einem Rahmen aus getriebenem Silber eingefaßt wird.

Die sich nach außen hin verdickenden Kreuzbalken sind an den Enden abgerundet und mit weitausladenden Verzierungen aus ziseliertem Silber mit barocken Blattmotiven auf schraffiertem Grund ausgeschmückt.

Perlstäbe bilden jeweils die Übergangslinien zum Glaskörper des Kreuzes. Auf dieses Kreuz sind sechs kleine Reliquienkapseln aufgeschraubt. Sie sind in der Form eines rechteckigen Kästchens gestaltet, die mit einer kartuschenähnlichen Schmuckfassade abgedeckt sind und hinter einer ovalen, verglasten Sichtöffnung die Reliquien zeigen.

Diese Berührungsreliquien sind mit einem kleinen Papierstreifen gekennzeichnet, auf dem der Name des Heiligen genannt wird.

San Basileo, San Boni, San Felix, San Amado, S. Cirrlo. Aufgesetzte Wachsperlen umgeben den Schriftzug kreisförmig.

Die Reliquienkapsel, die in die Mitte des Kreuzes gesetzt wurde, bewahrt eine Kreuzreliquie aus zwei Holzsplittern, die in Kreuzform angeordnet sind und zusätzlich von einem kleinen Medaillon mit geschnürter Umrandung eingefaßt sind.

Gegenüber den anderen Reliquienkästchen beinhaltet die Mitte acht Wachsperlen, die sich kreisförmig um die Kreuzreliquie anordnen.

Ornamental aufgelöste Flammen oder Strahlen aus ziseliertem Silber breiten sich vom Schnittpunkt der Kreuzbalken in den Zwischenräumen des Kreuzes aus und unterstreichen den Eindruck eines strahlenden Prachtkreuzes.

Die Transparenz des Glases und die geschickte, nicht sichtbare Aufhängung vermitteln dem Betrachter den Eindruck, als wenn das Kreuz schwebe.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst Seite 110

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Reliquienkreuze für den privaten Gebrauch

Kreuz 4 vorne hintenKreuz 5 vorne hinten

Gesamthöhe: ca. 74 mm
Breite: ca. 42 mm

Tiefe: ca. 7 mm
Material: Messingguss
Land: getragen im Münsterland
2. Hälfte 19. Jahrhundert

Die kleinen Reliquienkreuze, die mit einem Scharniergelenk aufklappbar und am unteren Ende mit einem Schraubverschluss zu schließen sind, enthalten im Inneren die Berührungreliquien von 17 Heiligen und ein AGNUS DEI auf rotem Grund mit Goldpapier dekoriert.

Den Schnittpunkt der Balken ziert ein hochovales Madonnenbild, das Werler Gnadenbild, in einem Kloster- und Wallfahrtsort im südlichen Westfalen. In den Schnittpunkt des flachen Vorderteils ist ein kleines Medaillon mit der Darstellung Mariens eingesetzt. Die Vorderseite des Kreuzes ziert ein halbplastischer Korpus mit der INRI-Tafel. Unterhalb des Gekreuzigten steht Maria als Schmerzensmutter.

Die Rückseiten der beiden Kreuze zeigen ein flammendes Herz in der Dornenkrone und die Arma- Christi-Motive. Am oberen Ende des Längsbalkens befindet sich ein Loch, in dem ein Öse eingehängt ist.

Das Kreuz als Symbol neuen Lebens und der Erlösung des Menschen durch den Glauben an Gott wird durch die im Inneren aufbewahrten Reliquien von Heiligen, die diesem Ruf gefolgt sind, in seiner Aussagekraft verstärkt. Zugleich wird die Segenskraft des Kreuzes durch die heilende und heiligende Wirkung der Reliquien vermehrt.

Diese Kreuze waren im Besitz und Gebrauch der mütterlichen Großeltern von Werner Fischer, Adolf Suermann (1836 - 1909), Horst bei Werne, und seiner Frau Anna Suermann, geb. Rasche (1847 - 1926) aus Beckum. Der Ort Horst gehörte zur St. Christophorus Gemeinde in Werne, die jährlich eine Fuß-Wallfahrt nach Werl durchführte.
Auch das Ehepaar Caspar (1893 - 1978) und Jovita (1887 - 1976) Fischer, geb. Suermann, folgten dieser Tradition.

Devotionalien konnte man am Wallfahrtsort Werl wie auch in anderen Gnadenorten erwerben. Sie wurden meist von den anwesenden Patres gesegnet.

kreuz kreuz ohne platte

Segensrelquiar St. Bartholomäus, Ahlen

ca. 32x19,5 cm

Zwischen 1953 und 1955 kam Herr Dechant und späterer Propst Theodor Scheiermann der St. Bartholomäus-Kirche in Ahlen von einer Romreise zurück, bei der er aus dem Vatikan eine Reliquie des hl. Bartholomäus mitgebracht hatte, die er in einem kleinen Döschen aufbewahrte.
Er bat Werner Fischer, ein Kussreliquiar zu entwerfen und zu fertigen, das nach der hl. Messe am Bartholomäustag, dem 24. August, den Gläubigen vor der Kommunionbank zum Kuss gereicht werden sollte. Viele Kirchenbesucher machten von der Möglichkeit des Friedenskusses in St. Bartholomäus Gebrauch - auch ich.
Jedoch sorgten d
ie Vorboten des Zweiten Vatikanischen Konzils für eine andere Denkweise.
Dechant Paul Röschenbleck hatte 1977 im Kunsthandel einen antiken Barock/Rokokoschrein erworben, in dem das Kussreliquiar nicht unterzubringen war.
Ich entwarf und fertigte in Abstimmung mit Herrn Dechant Röschenbleck ein neues Reliquar an, das einen Teilabschnitt der Lebensgeschichte des heiligen Bartholomäus - auch Natanael genannt - reflektierte. (Die Kunst des Handelns, Seite 199)

Bis zum Abschied von Dechant Paul Röschenbleck im Jahre 1990 wurde der Schrein mit dem Reliquiar an hohen Feiertagen in St. Bartholomäus aufgestellt.

Die späteren geistlichen Nachkommen in St. Bartholomäus hatten andere Bildansichten. Schade. Ein internationales Sprichwort sagt: ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Reliquiar in Form einer kleinen Strahlenmonstranz, deutsch (?) 18. Jh., Granate

2013-04-18 08.47.08

Silber (Fuß und Schaft), vergoldet, getrieben, ziseliert, Bronzelegierung (Schaugefäß mit Strahlenkranz), gegossen und nachziseliert Maße: Höhe 325 mm, Durchmesser des Fußes 117/125 mm Marken: keine

Der leicht ovale Fuß steht auf einem überkragenden, gekurften Rand. Die Wölbung ist hoch herausgetrieben und steigt zum runden Schaftsockel auf. Vier breite Stege gliedern die Oberfläche in annähernd vier gleich große Felder, die mit ziselierten Spiegelkartuschen, C-Bögen und floralen Elementen verziert sind.

Um den Schaftsockel legt sich ein hängender Blattfries. Ein großer, birnenförmiger Nodus ergänzt den Schaft. Er ist in Anlehnung an die Ornamentierung der Fußwölbung durch drei Stege gegliedert; in die Zwischenfelder sind unterschiedliche Blüten mit Blattgehängen eingesetzt.

Das Schaugefäß ist von einem Strahlenkranz hinterlegt und mit einem kleinen Kreuz bekrönt. Die Mitte des Kreuzes ziert ein eingefaßter Granat. Eine doppelte Schmuckfassade aus Blumen- und Kranzgebinden (Festons genannt) rahmt die kreisrunde Sichtöffnung ein, um die zusätzlich 12 Granate in geschlossener Fassung gesetzt wurden.

Das Schaugefäß mit dem Strahlenkranz unterfängt eine verhältnismäßig große, schalenförmige Rocaille, die an den Seiten weit ausgezogen wurde. Die unterschiedliche Materialbeschaffenheit von Schaugefäß und Fuß/Schaft sowie die auffällige unterschiedliche Stilistik begründen die Annahme, dass es sich bei diesem Werk der Goldschmiedekunst um ein zusammengesetztes Objekt aus unterschiedlichen Zeiträumen handelt. (Fuß/Schaft Mitte 1. Hälfte 18. Jh.; Schaugefäß Ende 18. Jh).

Ein mit Nieten befestigtes Scharniergelenkteil unter dem Boden des Fußes legt es nahe, dass im Innern der Wölbung das beigefügte Authentikum aufbewahrt wurde.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 108

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2013-04-17 14.38.02   

Reliquiar, Turm wie eine Monstranz, Kupfer, Silber, vergoldet, gegossen, getrieben

Maße: Höhe 700 mm, Fuß 194 x 153 mm


Reich verzierter Reliquienbehälter in Form einer Turm-Monstranz.

Der querovale, passförmige Fuß ist in den Zwickel spitz ausgezogen. Über eine doppelte Zarge, die mit maßwerkähnlichen Ornamenten gefüllt ist, hebt sich der Fuß gestuft zum vielseitigen Fußhals an. Der Schaft selbst ist zu einem kleinen architektonischen Turmmodell ausgstaltet

Der Turm ruht auf einem breiten, gekappten Sims, an dem ein langer, gekrabbter Blattfries frei herunterhängt. Zwischen den über Eck gestellten und weit ausladenden Strebepfeilern und kleinen Fialen zieren große gotische Spitzbogenfenster mit Maßwerk in Durchbrucharbeit die Seitenflächen des Turmes.

Oberhalb und unterhalb wird der Schaft/Nodus von einer kräftig hervorspringenden, vierseitigen, gekappten Platte begrenzt. Zum Schaugefäß erweitert sich der Schaft zu einem vierseitigen Trichter. Das Schaugefäß, in Form eines Turmes, ist auf der Vorder- und Rückseite verglast.

Der Turmaufsatz baut sich über einem gekehlten, mit gekapppter, viereckiger Platte unterteilten Schaft zu einem kleinen, eigenständigen Turmgebilde auf. Die Spitze ist mit einer Kreuzblume bekrönt. Rechteckige (!) Fenster mit Maßwerkdurchbrüchen unterstreichen den Architekturcharakter.

Ob es sich bei diesem Schaubehälter um ein Reliquiar oder um eine Monstranz handelt, läßt sich nicht eindeutig festlegen. Ein Stift in der Mitte des Schaubehälters kann sowohl der Befestigung einer Lunula als auch einer Reliquie gedient haben.

Die Monstranz oder das Reliquiar wurde repariert und restauriert. Es wurden Teile ersetzt, von denen man annehmen kann, daß sie in jüngerer Zeiten neu erstellt wurden, um den sakralen Gegenstand seiner eigentlichen Bestimmung wieder zuzuführen.

Marken oder Meisterzeichen wurden nicht gefunden.

Literatur Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 96

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