2013-04-24 11.56.48

Kelch, Frankreich, 2. Hälfte 19. Jh., Silber, vergoldet, gegossen, gedrückt, graviert.

Maße: Höhe 250 mm, Durchmesser der Cuppa 108 mm, Durchmesser des Fußes 158 mm. Marken: Meistermarke "BN", Rosenberg Band 3 5919/Rosenberg 3 5919 - Ausfuhrstempel der franz. Departements seit 1879 (Bürokennzeichen unkenntlich), Rosenberg Band 3 7894 - Einfuhrstempel Österreich 1902-1921/2

Die Cuppa des Kelches läuft in glatten Wandungen konisch zu. Der polierte Rand der Cuppa ist von der mattierten Oberflächengestaltung des Kelches abgehoben. Unterfangen wird die Cuppa von einem Korb aus Filigranarbeit und sechs Medaillons mit gravierten Heiligendarstellungen: S. Bartholomäus, S. Jacobus, Majr., S. Petrus, S. Simons, S. Philippus und S. Mathias.

In den Zwickeln der lanzettförmigen Medaillons fächern sich Weinblätter und Weintrauben.

Der hohe, sechseckige Schaft, der am oberen und unteren Ende mit Fuß- und Kranzgesims ausgestaltet worden ist, fügt sich als ein architektonisches Aufbauelement in die Figur des Kelches ein. Der abgeflachte runde Nodus ist mit Vierpassrotuli verziert. Auf die sechs Schauseiten der Rotuli sind die Buchstaben JESUS und ein Kreuz auf punziertem Grund aufgebracht. Ornamentale Ziselierungen und Filigranverzierungen fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein.

Die Fußgestaltung nimmt das gotisierende Stilelement des Sechspassfußes mit ausgezogenen Ecken auf. Die Zarge des Fußes ist mehrfach gestuft. An der Vorderseite ist ein kleines Kreuz aus blauem Email aufgeschraubt. Die zum Schaft hin ansteigende Oberfläche des Fußes ist mit aufgeschraubten Filigranverzierungen und lanzettförmigen Medaillons gestaltet. Vergleichbar mit der Korbverzierung, zeigen die gravierten Medaillons Darstellungen von Heiligen: S. Paulus, S. Andreas, S. Thomas, S. Thaddäus, S. Barnabas und S. Jacobus Minr. Zwischen den Medaillons fächern sich Fruchtgehänge aus Weintrauben und Weintraubenblättern.

Die deutlichen gotisierenden Stilelemente sowie die solide Verarbeitung des Materials qualifizieren diesen Kelch als eine Goldschmiedarbeit aus der zeit der Neugotik, die den Geist der vergangenen Epoche der Gotik wiederbeleben wollte. In der Auswahl des theologischen Bildprogramms zeigt sich jedoch die innere Entfremdung von der Spiritualität der Gotik; die Gestaltung des Kelches wird zum rein formalen Zitat.

Literatur: Werner Fischer, Sakrale Kunst, Seite 30

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