Becher, Kelch, Pokale sind Trinkgefäße
Becher von Bek franz. = Mund, Maul
Pokal von poculum oder boccale bocca = Mund
Kelch hat seinen Namen von der Gestalt, Blütenkelch 
Pokal und Kelch unterscheiden sich vom (im?) Gebrauch
Der Kelch gilt als "Sakrales Gefäß"

kelch frontkelch rueck

Vorderansicht                                   Rückansicht

 

kelch deckel

Deckel

 Trinkgefäß - Abendmahlskelch

Höhe ca. 24.8 cm mit Deckelaufsatz ca. 30 cm

Das Gefäß aus Silber ist in Deutschland angefertigt.
Das zeigen die sichtbaren Stempel (Punzierungen) im Fuß.

Seit 1888 (durch Bismarck) hat in Deutschland das Feingehaltsgesetz Gültigkeit. Gegenstände aus Silber müssen mit einer dreistelligen Zahl versehen werden. Das geschieht meistens mit einem gehärteten Eisenpunzen, der in die angefertigten Gegenstände eingeschlagen wird.

Die 3 Zahlen (Tausendstel) nennen den echten Silberanteil der Silberlegierung, da reines Silber für eine weitere Bearbeitung zu weich ist. Der Stempel 800 bedeutet, dass das Objekt 800 Teile reines Silber enthält und 200 Fremdteile, die aus Kupfer oder anderen Metallfremdteilen sein können.

Weitere eingeschlagene Stempel zeigen den sogenannten Halbmond für Silber und das Meisterzeichen oder Firmenzeichen des Herstellers, auch um bei Vergehen u.a. gegen das Feingehaltsgesetz gegen den Verursacher klagen zu können.

Warum die Punzierungen?

Als das Feingehaltsgesetz in Kraft trat, waren die Edelmetalle Gold und Silber gleichzeitig in Form von Münzen als Zahlungsmittel im Umlauf. 1888 hatte die 5 Mark-Münze ein Silbergewicht von 28 Gramm.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden neue 5 Markstücke in Silber geprägt, die nur noch ein Gewicht von 14 Gramm hatten, bis dann auch die Silbermünzen eingezogen und durch ein Stück wertloses Papier ersetzt wurden. Wert ist heute nur die Zahl auf dem Aufdruck.

Das trifft nicht auf die Gedenkmünzen zu.

 

Weitere Information

Der runde Fuß ist in Silber getrieben und hat einen Durchmesser von 12,5 cm. Er vermindert seinen Durchmesser treppenartig und ist mit einem umlaufenden dekorativen UIUIUIUI Muster umrundet.

Der runde Sockel mit poliertem Rand weist etwa mittig ein getriebenes Bandelwerk auf. Vier C-Bögen auf der anschließenden polierten Fläche bilden die Verbindung zum aufsteigenden Nodus, der mit fünf Balustervasen geschmückt ist.
Danach folgt der Cuppa-Aufsatz in konischer Becherform, dessen Basis wiederum ein getriebenes Bandelwerk bildet - alles im Stil des Historismus.
Der Trink-Becher als solcher ist stark ornamentiert mit C-Bögen und Schnörkeln, wobei zwei Lorbeer-Kranzornamente die Gravurfelder umrunden. Sie weisen folgende Gravuren auf:

Ihrem Treuen Hirten Herrn Pastor Eduard Vogt 1854 - 1893
In herzlicher Liebe und Dankbarkeit gewidmet. Die Gemeinde Burscheid

Den Abschluß des Bechers bildet ein nach außen gestellter mit Ornamenten gravierter Lippenrand. Der Kelchbecher ist innen vergoldet. Es ist üblich, Silbergefäße, die mit Wein gefüllt werden, innen zu vergolden, da die Weinsäure Oxidation hinterlassen kann.

In der Evangelischen Kirche gibt es keine Bestimmungen für Gefäße, die bei der Abendmahlsfeier verwendet werden können.

Eine besondere Bedeutung nimmt der Deckel ein, ebenfalls innen vergoldet, mit einem bauchig gestalteten Ring, auf dessen Podest, thronend die ca. 10,5 cm vergoldete Figur Martin Luthers mit der Mönchskutte dargestellt ist. In seinen Händen trägt er die Bibel.

Das echt silberne Trinkgefäß ist ein Musterbeispiel des Historismus und befindet sich in hervorragendem Zustand.
Es ist ein Exponat der evangelischen Religionsgemeinschaft, welches die Sammlung des Interreligiösen Museums bereichert.